Sport : Brisante Berichte

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Von Robert Ide

Berlin. Eigentlich beschäftigt sich Transparency International mit Korruption in Unternehmen und politischen Parteien. Doch die undurchsichtigen Vorgänge im Welt-Fußballverband Fifa haben die unabhängigen Beobachter aufgerüttelt. Ab sofort wollen sie auch ein kritisches Auge auf das Finanzgebaren jenes internationalen Sportverbandes werfen, der am Mittwoch mit Zwei-Drittel-Mehrheit seinen Präsidenten Joseph Blatter im Amt bestätigte – unbeeindruckt von den Vorwürfen, Blatter kaufe Stimmen mit Geld, entziehe seinen Gegnern das Rederecht und herrsche wie ein Diktator. „Die Machenschaften im Weltverband müssen endlich untersucht werden“, sagt Stan Cutzach von Tranparency International in Berlin. So seien die Finanzberichte der Fifa keiner unabhängigen Prüfung von außen unterzogen. Cutzach: „In einem solchen System wäscht eine Hand die andere. Schmiergelder sind da ganz normal.“

Transparency International wird nun eine Arbeitsgruppe einrichten, die das Finanzgebaren der Fifa systematisch beobachten soll. Bei ersten Recherchen sind die Kontrolleure bereits auf Ungereimtheiten gestoßen. So gebe es konkrete Anhaltspunkte dafür, dass Fifa-Gelder in Kenia veruntreut wurden. In einem Bericht von Transparency International Kenia, der dem Tagesspiegel vorliegt, heißt es dazu: „Weder der Finanzbericht über die Fifa-Fonds für den Jugendfußball, der Anfang 2001 erstellt wurde, noch der Jahresreport des Kenianischen Fußballverbandes 2000 wurden veröffentlicht.“

Kein Wunder, sollen diese geheimen Berichte doch brisante Zahlen enthalten. Nach Angaben von Tranparency International stiegen im Haushalt des Kenianischen Fußballverbandes die Ausgaben in der Kategorie „Schuldner und Rückzahlungen“ von umgerechnet 60 256 US-Dollar im Jahre 1999 auf 142 307 US-Dollar ein Jahr später. Fußballvereine in Kenia bemängelten, diese Kategorie sei offenbar für illegale Finanztransfers der Verantwortlichen missbraucht worden. „Hier könnten Fifa-Gelder, die eigentlich für Straßenkinder gedacht waren, an Funktionäre gegangen sein“, sagt Cutzach. Ebenfalls merkwürdig: Die Ausgaben für Stadien in Kenia verdreifachten sich innerhalb eines Jahres, obwohl die Anzahl der Spiele gerade mal um ein Drittel gestiegen war.

Die Untersuchungen werfen ein erstes Schlaglicht auf die Vorgänge im internationalen Fußballgeschäft. Doch sie sind erst ein zaghafter Anfang, mehr Transparenz zu schaffen. „Im Sport müssen endlich die Standardregeln transparenter Buchführung eingeführt werden“, fordert Cutzach. Finanzberichte müssten öffentlich und unabhängig überprüfbar sein, „notfalls auch durch die Regierungen der Länder“.

Doch angesichts der Vorgänge auf dem Fifa-Kongress in Seoul dürfte dieses Unternehmen schwer fallen. Die deutsche Politik scheint dem Treiben auf der internationalen Fußball-Bühne eher ohnmächtig zuzusehen. Aus der Regierung ist keine Stellungnahme zur Fifa-Wahl zu erhalten, das Innenministerium verweist auf die Autonomie des Sports. Abgeordnete der Regierungsparteien im Bundestag werden da schon deutlicher. „Diese Sache ist nicht gerade appetitlich“, sagt der Vorsitzende des Sportausschusses, Friedhelm Julius Beucher (SPD). Besonders das Verhalten der deutschen Delegation stößt bei Beucher auf Kritik: „Die Argumentation des Deutschen Fußball-Bundes, der Vorsitz der Fifa müsse in Europa bleiben, ist fast schon kolonialistisch.“ Auch der sportpolitische Sprecher der Grünen, Winfried Hermann, kommentiert: „Von deutscher Seite hätte ich mehr kritische Rückfragen erwartet.“ Die Delegation um DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder hatte sich frühzeitig zur Wahl Blatters bekannt und den Gegenkandidaten, Issa Hayatou aus Kamerun, abgelehnt. Beucher sagt: „Die Demokratie hat in der Fifa offenbar keine Mehrheit.“

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