Bronze im Schießen : Munki trifft ins Schwarze

Die gebürtige Mongolin Munkhbayar Dorjsuren gewinnt Bronze für die deutschen Schützen.

Katja Reimann
Munki Foto: AFP
Geschafft. "Munki" Dorjsuren gewinnt in Peking Bronze.Foto: AFP

Den feuerte sie so spät ab, dass Bundestrainer Peter Kraneis vor Spannung die Luft anhielt. Doch Munki wusste: Das passt schon. Und es passte auch: Die gebürtige Mongolin Dorjsuren gewann die Bronzemedaille. Ein großer Erfolg für die seit mehr als zehn Jahren international erfolgreiche Athletin – und für Deutschland. Denn die 39-jährige Dorjsuren, 1969 in der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator geboren, schießt seit ihrer Einbürgerung 2002 für die Bundesrepublik. Ihre Medaille ist sogar die erste Olympia-Medaille für die deutschen Pistolenschützinnen in der Geschichte der Spiele. „Sie ist die erfolgreichste deutsche Pistolenschützin“, sagte Birger Tiemann, Sprecher des Deutschen Schützenbundes (DSB). Dessen Präsident Josef Ambacher hofft, dass dies für die Schützen in Peking die Initialzündung war. „Der Druck ist genommen, die erste Medaille ist da“, sagte er.

Die erfolgreiche Schützin selbst war zunächst enttäuscht, dass es nicht für Silber oder Gold gereicht hatte. Doch dann habe sie gedacht: „Es ist toll, eine Medaille bei Olympia zu gewinnen, das schafft nicht jeder.“ Mit ihrer persönlichen Saisonbestleistung von 587 Ringen hatte sich Dorjsuren im Vorkampf eine gute Grundlage für das gestrige Finale im 25-Meter-Wettbewerb erarbeitet. Mit insgesamt 789,2 Ringen lag Dorjsuren zum Schluss hinter der chinesischen Siegerin Chen Ying (793,4) und der zweitplatzierten Mongolin Gundegmaa Otryad (792,2).

Schon dreimal für die Mongolei bei Olympia



In der Bundesliga schießt Dorjsuren für den SV Kehlheim Gmünd. Von dort kamen auch die ersten Glückwünsche. „Wir freuen uns riesig über den Sieg unserer Munki und werden heute Abend auf sie anstoßen“, sagte Rudolf Rauch, beim Verein zuständig für die Bundesliga-Schützen. Auch die Kollegen von der Bundeswehr Sportfördergruppe Neubiberg, bei der die Hauptgefreite Dorjsuren seit 2005 als Sportsoldatin stationiert ist, verfolgten das Finale gespannt.

Bevor Munkhbayar Dorjsuren für Deutschland nach Peking flog, hatte sie schon drei Mal die Mongolei bei Olympia vertreten – 1992, 1996 und 2000. 1992 in Barcelona gewann sie Bronze. Nach Deutschland kam sie in den 90er Jahren, um in Leipzig Sport zu studieren. Dass sie sich nach Sydney um einen deutschen Pass bemühte, stieß in ihrem Heimatland auf wenig Verständnis. „Ich wurde beleidigt. Mir wurde unterstellt, dass ich mich hätte kaufen lassen.“ Doch die Sportlerin beharrt darauf, dass ihr Wechsel rein private und auch keine finanziellen Gründe hatte. „Das war meine freiwillige Entscheidung. Das Leben hier ist geregelter als zu Hause. Dort ist es sehr schwer“, sagte sie. Inzwischen lebt sie mit ihrer 14-jährigen Tochter Ujin und ihrem Trainer und Lebensgefährten Matthias Hahn in Schweinfurt und im finnischen Kuortane.

Dorjsuren ist eine von 32 der insgesamt 435 deutschen Olympiaathleten, die im Ausland geboren wurden. Wem der Passwechsel bessere Trainingsmöglichkeiten oder gar eine Olympiateilnahme garantiert, der zögert nicht lange. Jüngstes Beispiel ist der US-Basketballer Chris Kaman, der sich kurz vor Beginn der Spiele auf seine deutschen Großeltern besann und einbürgern ließ. So sicherte er sich einen Platz im deutschen Nationalteam – und ein Ticket nach Peking. (mit dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar