Sport : Bronze mit Wut

Annett Böhm holt die dritte Judo-Medaille

-

Athen Der Ärger stand Annett Böhm noch ins Gesicht geschrieben. „Jetzt soll es wenigstens Bronze werden“, hatte sie ihrem Trainer Norbert Littkopf noch gesagt, dann ging sie entschlossen auf die Matte. Die Niederlage zuvor im Halbfinale gegen die Niederländerin Edith Bosch, und damit die verpasste Chance auf das zweite Gold für die deutschen Judo-Kämpferinnen, sollte sich auf keinen Fall negativ auswirken. Dementsprechend couragiert begann die WM-Dritte dann auch den Kampf gegen die Belgierin Catherine Jacques. Ganze 38 Sekunden mussten ihre Teamgefährten auf der Tribüne zittern, dann fasste Annett Böhm in Kniehöhe den Judoanzug ihrer Kontrahentin und sorgte mit einer blitzsauberen Aushebetechnik für die Entscheidung.

Nach dem Olympiasieg für Yvonne Bönisch und der Bronzemedaille für Julia Matijass war die dritte Medaille am fünften Finaltag gesichert – und zudem die 30. deutsche Judo-Medaille bei Olympia überhaupt. „Ich habe mich so für Julia und Yvonne gefreut, als die ihre Medaillen gewonnen haben. Ich dachte nur: Hoffentlich ist für mich noch eine übrig“, sagte Annett Böhm.

Norbert Littkopf, der nicht nur Bundestrainer ist, sondern zugleich auch in Leipzig der Klubcoach von Böhm, hatte ihr dieses Abschneiden zuvor zugetraut. „Wenn sie den ersten Kampf gewinnt, kann sie durchmarschieren“, kündigte er für das Limit bis 70 kg an. Böhm setzte seine Erwartungen in die Tat um: Nach einem Freilos besiegte sie in der zweiten Runde wie erhofft die starke Chinesin Dongya Qin durch ihre Spezialtechnik Uchi-Mata (Innenschenkelwurf) neun Sekunden vor Kampfende vorzeitig.

Danach konnte auch die Kanadierin Catherine Roberge eine Yuko-Niederlage (mittlere Wertung) gegen sie nicht verhindern. Nur gegen ihre alte Rivalin Edith Bosch lief es nicht wie erhofft. „Zuletzt hat Annett gegen Bosch verloren. Aber heute ist sie stark. Das waren zwei sehr ordentliche Kämpfe gegen gute Gegnerinnen. Ich bin optimistisch“, sagte Littkopf zwar, aber dazu hätte die Deutsche sich noch steigern müssen. Aber Annett Böhm unterlag im Halbfinale nicht der neuen Olympiasiegerin, denn es gab noch eine bessere Athletin: Masae Ueno aus Japan. Die Weltmeisterin von 2003 unterstrich ihre Ausnahmestellung. Dabei hatte es noch in Sydney im Mittelgewicht keine Medaille für eine Aktive aus dem Judo-Mutterland gegeben. heit

0 Kommentare

Neuester Kommentar