Sport : Bronzenes Tanzabzeichen

Winkler und Lohse werden WM-Dritte im Eistanz

Frank Bachner

Dortmund. „Unfassbar“, stammelte Kati Winkler nur. Ihr Partner Rene Lohse reagierte hingegen freudig, aber gefasst. Ihn hatte schon vorher ein gute Ahnung beschlichen. „Ich habe das Gefühl gehabt, es kann nicht viel schief gehen“, sagte er. Das deutsche Eistanz-Paar Kati Winkler und Rene Lohse belegte bei der Weltmeisterschaft in Dortmund überraschend Platz drei. Mit einer Traumnote sechs und 9000 Zuschauern im Rücken erfüllten sie sich damit ihren sehnlichen Wunsch nach einer Medaille. Gold ging an Tatjana Nawka und Roman Kostomarow aus Russland. Zweite wurden die Bulgaren Albena Denkowa und Maxim Stawiski.

Den Originaltanz hatten Winkler/Lohse am Donnerstag noch als Vierte abgeschlossen. „Wir wollen ohne Druck in den Kürtanz“, hat Rene Lohse anschließend gesagt. Seine Knieverletzung, die er vor der EM in Budapest erlitten hatte, spürte er nicht mehr. Auch im Kürtanz war von diesem Handicap nichts mehr zu bemerken.

Gut möglich, dass Winkler/Lohse nun ihre Karriere beenden werden. Sie haben schon vor Dortmund mit dem Gedanken an das Ende ihrer Amateur-Auftritte gedacht. Der Wechsel ins Profilager ist möglich, dort ist das große Geld zu verdienen. Wobei Winkler/Lohse schon als Amateure die am besten verdienenen deutschen Eiskunstläufer waren. Ihr jährliches Einkommen aus Schaulaufen, Prämien und PR-Auftritten wurde auf rund 50 000 Euro geschätzt. Aber lange genug haben die beiden dies auch als Schmerzensgeld empfunden. Als Ausgleich für diverse Verletzungen und ungerechte Preisrichterentscheidungen. Denn an Winkler/Lohse haftete lange ein Etikett: Sie galten als die tragischen Figuren des deutschen Eiskunstlaufs. Seit 1988 tanzen sie zusammen, seit Jahren gelten sie als eines der elegantesten und harmonischsten Paare der Welt. Doch ein Titel blieb in all den Jahren ihr Traum. Dreimal Platz sieben und einmal Rang bei Weltmeisterschaften, mehr war in der Vergangenheit nie drin.

Legendär ist schon ihre Verletzungsmisere. 2001, wenige Monate vor den Olympischen Spielen, erlitt Lohse einen Kreuzbandanriss. Im Mai 2002 radelte er gegen einen Pick-up. Folge: ein angebrochener Ellenbogen und drei abgerissene Bänder in der Schulter. In diesem Jahr, kurz vor den Europameisterschaften, trug Kati Winkler im Training ihr neues Kostüm mit dem ziemlich glatten Stoff. Prompt rutschte die 30-jährige dem knieenden Lohse aus den Händen, fiel mit ihrem gesamten Gewicht auf dessen Knie, und erfuhr später, dass ihr Partner durch diese Aktion einen Innenbandteilabriss im linken Knie erlitten hatte. Die EM verfolgten sie als Zuschauer. „Ich glaube, ich bin der größte Pechvogel des Eiskunstlaufs“, sagte Lohse vor Dortmund verzweifelt.

Beim Kurzprogramm der Damen hat die Deutsche Meisterin Annette Dytrt (München) Platz 20 belegt. Sie stürzte beim dreifachen Lutz und erhielt Abzüge. „Ich war bereit, wie ein Tiger zu kämpfen“, sagte sie hinterher. „Den Sturz kann ich mir einfach nicht erklären. Ohne ihn hätte ich unter die ersten 15 kommen können. Aber ich stehe wenigstens im Finale.“ Nach dem Kurzprogramm führt die US-Amerikanerin Sasha Cohen. Die fünfmalige Weltmeisterin Michelle Kwan (USA) belegt vor dem heutigen Finale nur Platz vier. Sie soll nach Angaben des Schiedsrichters ihre erlaubte Laufzeit überschritten haben. Ob sie deshalb Punktabzüge erhielt, blieb unklar. Offiziell gab es dazu keine Stellungnahme.

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