Bruchhagen beim HSV : Mehr Heribert für Hamburg!

Wenn einer dem Hamburger SV mehr Sachlichkeit verordnen kann, dann Heribert Bruchhagen. Die Frage ist, ob das jemand beim HSV hören will, meint unser Autor.

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Noch kann er lachen: Heribert Bruchhagen wird Vorstandschef beim HSV.
Noch kann er lachen: Heribert Bruchhagen wird Vorstandschef beim HSV.Foto: dpa

Es war eigentlich klar, dass Heribert Bruchhagen im Ruhestand nicht ruhig halten würde. Auch mit 68 Jahren fühlt er sich möglichst nahe an der Bundesliga am wohlsten. Nach seinem Abschied bei Eintracht Frankfurt Ende Mai ließ er kaum eine Ehrung aus und ging an wenigen Fernsehkameras vorbei, zuletzt war er Experte bei Sky. Bruchhagen will eben gehört werden und Gehör finden.

Erhört hat er nun den Ruf des Hamburger SV, wo er als Vorstandsvorsitzender den glücklosen Dietmar Beiersdorfer ablöst. Es war wirklich eine „Pflicht-Zusage“, wie Bruchhagen es bezeichnete – weil der Langzeit-Funktionär sich der Bundesliga verpflichtet fühlt, seiner Lebensaufgabe, die ihn nicht so schnell loslässt.

Die Aufgabe beim HSV passt zu ihm, auch oder obwohl er schon mal Manager in Hamburg war, von 1992 bis 1994. Die Zeitspanne allein zeigt, wie lange Bruchhagen schon dabei ist und wie weit sein Netzwerk reicht. Doch erst in Frankfurt erwarb er sich über 13 Jahre den Ruf, für Kontinuität und Nüchternheit zu stehen.

Das tat dem größenwahnsinnigen Eintracht-Umfeld gut. So wie dem chaotischen HSV mehr Ruhe guttäte. Nach dem Motto: Mehr Heribert für Hamburg! Es wird sich zeigen, ob Bruchhagen eine neue Sachlichkeit im Verein verankern kann, zwischen einem bestimmenden Mäzen, plappernden Aufsichtsräten und kritischen Fans. Wenn es einer schafft, dann er. Doch dieser Verein hat viele geschafft.

Und selbst falls er kurzfristig die Ungeduld aus Hamburg verbannen kann – wird seriöses Bundesliga-Mittelfeld dem HSV langfristig reichen? Für riskante Vorstöße ist Bruchhagen nicht zu haben. Deshalb galt er in Frankfurt zuletzt als Innovations-Verhinderer. Die Frage ist, ob er als Dauer-Mahner in Hamburg auf Dauer Gehör finden wird. Oder ob er die Lebensaufgabe Bundesliga doch aufgeben muss.

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