Sport : Brüchiger Frieden

Der Hamburger SV und sein Trainer Klaus Toppmöller werden miteinander nicht glücklich

Karsten Doneck

Hamburg – Die Demonstration der Einigkeit wirkte etwas aufgesetzt. Anfang September – Trainer Klaus Toppmöller hatte gerade mal wieder mit einem verbalen Hieb gegen den Vorstand für Aufregegung gesorgt, diesmal mokierte er sich über Fehler in der Einkaufspolitik – da wurde ein Friedenspakt besiegelt. Eine Ablösung des Trainers stünde nicht zur Debatte, hieß es aus dem Präsidium. Und auch Toppmöller ließ wissen, er habe noch viel vor mit dem Hamburger SV, offenbar auch über sein Vertragsende am 30. Juni 2005 hinaus.

Nun ist die Fußball-Bundesliga aber ein schnelllebiges Geschäft. Nur 14 Tage nach den Treueschwüren quält den HSV schon wieder die Frage, ob Toppmöller nun der richtige Mann als Trainer ist. 0:2 hatte die Mannschaft am Samstag in Stuttgart verloren – nicht schlimm, normalerweise. Aber der HSV hat in dieser Saison in vier Spielen erst ein einziges Mal gewonnen, sehr glücklich mit 4:3 gegen Aufsteiger 1. FC Nürnberg. Eindeutig zu wenig, war die Mannschaft doch für rund zehn Millionen Euro verstärkt worden. Die Teilnahme am europäischen Wettbewerb wurde zum Saisonziel deklariert, Neuzugang Emile Mpenza schwadronierte gar von der Champions League.

Als es dann nicht lief, wurde zwischen den Spielen gegen Nürnberg und in Stuttgart nachgekauft, was die Kassen noch hergaben. Es kamen Almani Moreira von Standard Lüttich für das Mittelfeld sowie Khaled Boulahrouz vom RC Waalwijk für die Abwehr. Spieler, deren Integration Zeit braucht, wie die 90 Minuten in Stuttgart verdeutlichten. Zeit, die der HSV nicht hat. Und Toppmöller erst Recht nicht. Von ihm werden Erfolge erwartet, und zwar sofort. „Wir müssen auch mal so ein Spiel nach Hause bringen“, verlangt Sportchef Dietmar Beiersdorfer. Schon am nächsten Sonnabend steht erneut ein Auswärtsspiel an: beim 1. FC Kaiserslautern. „In diesem Job zählen doch nur Punkte und Erfolge“, stellt Klaus Toppmöller illusionslos fest.

Noch hält der Friedensschluss in Hamburg. Beiersdorfer sagte nach dem 0:2 beim VfB: „Ich sehe keinen Grund, über den Trainer zu sprechen.“ Geredet wurde beim HSV wahrlich genug, richtig gehandelt seltener.

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