Sport : Brüder Peckolt segeln zur Medaille und müssen warten

Andreas Kling[Qingdao]

Jubel im Lager der Segler in Qingdao: Jan-Peter und Hannes Peckolt haben den Bann gebrochen und nach acht Jahren endlich wieder eine Medaille für Deutschland gewonnen. Nur freuen durften sich die Brüder aus Kiel und Hamburg darüber zunächst nicht. Denn es dauerte noch Stunden, bis die Jury an Land das entscheidende Medaillenrennen in der 49er-Klasse für gültig erklärte. Und die Entscheidung darüber, ob es Silber oder Bronze wird, soll erst am heutigen Montag endgültig fallen.

„Die Farbe ist uns völlig egal, das ist der absolute Wahnsinn“, jubelte Jan-Peter Peckolt, nachdem zumindest das umstrittene Medalrace Bestand hatte. Bei dramatischen Bedingungen, in denen alle Gegner und sie selbst mindestens zweimal kenterten, waren die Studenten zuvor Zweite hinter den Spaniern Iker Martinez und Xabier Fernandez geworden. Die Olympiasieger von 2004, die punktgleich mit den Deutschen ins Rennen gegangen waren, kämpften anschließend mit einem Protest um die Goldmedaille.

Denn für erhitzte Diskussionen sorgten die in den vorangegangenen zwölf Rennen überlegenen Dänen Jonas Warrer und Martin Ibsen. Nachdem ihnen auf dem Weg zur Regattabahn der Mast brach, nahmen sie an Land unter Zustimmung des australischen Vermessers kurzerhand das Boot der ausgeschiedenen Kroaten. Damit kamen sie zwar zu spät zum Start, aber angeblich noch gerade rechtzeitig, um sich am Ende als Siebte ins Ziel zu retten. Die Dänen waren mit zweieinhalb Minuten Rückstand gestartet. „Ihre Leistung ist phantastisch. Uns kam niemals der Gedanke, gegen sie zu protestieren“, sagte Hannes Peckolt an Land. Den Zweifel an der Regularität der gesamten Wettfahrt konnte er nicht verstehen: „Das waren zwar Überlebensbedingungen, keine Frage. Aber das hat es schon häufiger gegeben.“ Auch Rigo de Nijs, der niederländische Coach der Peckolt-Brüder, sagte vor Beginn der Protestverhandlungen: „Wenn es nur nach meinem sportlichen Herz ginge, hätten die Dänen Gold verdient.“

Zeitweise schwammen bei stürmischen Winden um 25 bis 30 Knoten mehr Crews als noch segelten. „Wir wussten meist überhaupt nicht, wo wir geschweige denn die Konkurrenten lagen. Es ging nur noch darum, heil ins Ziel zu kommen. Wir sind völlig fertig.“ So richtig feiern wollen sie auch erst heute, wenn die Medaillen tatsächlich um den Hals hängen – egal welche.

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