Sport : Brüderlich mit Herz und Hand

Der DFB verlängert den Vertrag mit Joachim Löw und seinem Trainerstab bis zur EM 2012. Dabei bemühen sich alle Beteiligten um einen harmonischen Eindruck

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Der blaue Kaschmirpullover war daheim geblieben. Stattdessen trug Joachim Löw ein maßgeschneidertes Hemd, was vermutlich dem würdevollen Ereignis in der Verbandszentrale in Frankfurt am Main angemessener war. Schließlich wurde am Dienstagmorgen eine Unterschrift geleistet, auf die nicht nur der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sehnlichst gehofft hatte – sondern im Grunde fast die gesamte deutsche Fußballnation. Mit dem Bundestrainer verlängerten auch die Assistenten Hansi Flick, Andreas Köpke und Manager Oliver Bierhoff ihre Verträge bis zum 31. Juli 2012. Die Führungsriege von der WM 2010 bleibt damit für die bald beginnende Qualifikation für die EM 2012 in Polen und der Ukraine unverändert.

Der 50-jährige Löw wirkte gelassen, dankte dem DFB für „die unkomplizierten Gespräche“ und plauderte darüber, dass er den meisten der urlaubenden Nationalspielern die Kunde bereits per SMS-Botschaft übermittelt hätte. „Vielleicht habe ich einige von ihnen geweckt. Es gab bereits einige Rückmeldungen, von Per Mertesacker, Miroslav Klose und Bastian Schweinsteiger. Sie haben gesagt: Herzlichen Glückwunsch und vielen Dank, dass du weitermachst.“

Schon am Freitag beim Zusammentreffen mit seinem Helferteam, so erklärte Löw, sei er übereingekommen, die Signale für eine Fortsetzung der Zusammenarbeit auszusenden. Am Samstagnachmittag rief Löw bei DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach an, umgehend war auch Präsident Theo Zwanziger informiert, danach wurde ein Treffen an „einem neutralen Ort“ (Niersbach) vereinbart. Und siehe da: Anders als bei den grandios gescheiterten Vertragsverhandlungen im Februar dieses Jahres ließ sich diesmal an nur einem Wochenende über das Kleingedruckte Einigkeit erzielen, was vor allem daran lag, dass die im Hintergrund operierenden Juristen und Berater Christoph Schickhardt (DFB) und Roland Eitel (Löw) nicht völlig konträre Erwartungshaltungen zusammenzubringen mussten.

Im Gegenteil. Zwanziger lobte die „moderaten Bedingungen, die für einen gemeinnützigen Verband absolut in Einklang zu bringen sind“. Dem Vernehmen nach erhält das Quartett der sportlichen Leitung eine rund 15-prozentige Anhebung der Bezüge – der Bundestrainer dürfte nun knapp unter drei Millionen Euro im Jahr verdienen, was immer noch deutlich unter der Entlohnung von Bundesligatrainern wie Louis van Gaal oder Felix Magath liegt. Kein Thema soll ein sogenanntes „Signing Fee“ gespielt haben – eine Bonuszahlung von jeweils einem Jahresgehalt stand im Februar für eine Vertragsunterzeichnung von Löw und Gefolgschaft im Raum, was vor allem Urheber Bierhoff als Dreistigkeit angelastet wurde. Auch ein weiterer strittiger Punkt, die Verantwortung für die deutsche U-21-Auswahl, scheint vorerst geklärt worden zu sein. Sportdirektor Matthias Sammer soll die Mannschaft betreuen, die letzte Entscheidung bei der Trainerfrage und der Spielphilosophie liegt aber bei Joachim Löw. „Der Chef unter den sportlichen Führern ist immer der Bundestrainer“, sagte Zwanziger. Sammer war gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Der zuletzt angeschlagene Zwanziger jedenfalls sieht in der Vertragsverlängerung die optimale Lösung für die Entwicklung des Nationalteams: „Wir haben den Bundestrainer, der zu dieser Mannschaft passt.“ Die Frage ist nur, ob Michael Ballack auch noch in dieses Team passt. Es mehren sich die Zweifel, dass der 33-jährige Lautsprecher noch mit Löws WM-Spielern harmoniert, die eher die leisen Töne bevorzugen. Löw sagte, er finde es „legitim“, dass Philipp Lahm die Kapitänsbinde eingefordert habe – die Klarstellung, dass Ballack der Amtsinhaber bleibe, vermied der Bundestrainer („Ich habe noch keine endgültige Entscheidung getroffen“). Der Neu-Leverkusener solle seine Verletzung auskurieren und fit werden, „dann werde ich mit Michael vor dem nächsten Spiel sprechen“. Dieses findet bereits am 11. August in Kopenhagen gegen Dänemark statt – und im Grunde wäre es wohl vielen im Kreise der DFB-Auswahl ganz recht, würde Ballack für den ohnehin ungeliebten Termin absagen.

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