Sport : Brüssel prüft noch im Stillen

Jens Poggenpohl

Übertriebenen Populismus kann man den Organisatoren der Fußball-WM nun wirklich nicht vorwerfen. Wer wie Franz Beckenbauer die Vertreter von Millionen Verbrauchern als „Tagediebe“ bezeichnet, hat Mut. Und wer wie Horst R. Schmidt den Verlust von einer Million Euro als „Marginalie“ abtut, hat zumindest keine Angst davor, mit gewissen „Peanuts“-Managern in einen Topf geworfen zu werden.

Recht haben sie, mag man fast sagen. Was erdreisten sich die Verbraucherschützer, die vorweltmeisterliche Harmonie zu stören – und wie wenig haben sie erreicht: Fans zahlen jetzt keine Gebühr mehr für Tickets, die sie gar nicht kriegen. Das ist schön. Aber die Welt interessiert das nicht. Sie will zu Gast bei Freunden sein. Und selbst wenn: Ist das Organisationskomitee mit dem Kompromiss nicht bestens bedient? Die EU-Kommission prüft derweil im Stillen, ob die Organisatoren beim Ticketverkauf ihr „natürliches Monopol“ missbraucht haben. Nun wird Beckenbauer zu Recht einwenden, dass so ein natürliches Monopol fast so gottgegeben ist wie die Natur selbst, und wie schon bei der Klage der Verbraucherschützer werden sich seine Freunde im Organisationskomitee lässig zurücklehnen. Vorsicht! Auch die EU-Kommission hat keine Angst: Ihre letzte große Prüfung – der Fall Microsoft – endete in einem Strafgeld von nicht weniger als 500 Millionen Euro gegen den Softwarehersteller. Zwar geht es in diesem Fall um allerhöchstens 40 Millionen Euro – aber auch die zahlt das Organisationskomitee nicht eben aus der Portokasse.

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