Sport : Brutal lästig

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Armin Lehmann über

Morddrohungen beim FC Bayern

Es ist nichts Ungewöhnliches, wenn der FC Bayern lange vor Saisonbeginn für Schlagzeilen sorgt. Meistens geht es um so weltbewegende Vorkommnisse wie nächtliche Besuche von Jungstar Schweinsteiger samt weiblicher Begleitung im vereinseigenen Whirlpool oder um die 27. Beteuerung von Oliver Kahn, dass für ihn endlich wieder der Sport im Mittelpunkt stehen soll. Diesmal aber ist die Sache ernst: Zwei führende Angestellte des Klubs sind mit Mord bedroht worden. Was ist da los in München?

Vor einigen Tagen erst hatte sich der Verein entschieden, drei großen Fanklubs keine Jahreskarten mehr zu verkaufen. Für Fanklubs hat das die Konsequenz, dass ihre Mitglieder zwar noch ins Stadion dürfen, aber nicht mehr zusammen im Block sitzen können. Zwar handelt es sich bei diesen Fanklubs, wie selbst die Polizei bestätigte, nicht um rechtsradikale oder rassistische Gruppierungen, aber wohl durchaus um gewaltbereite Fans. Sachbeschädigung, Krawall, Drohungen, das ist das, was die Verantwortlichen den Fans vorwerfen, um ihre Maßnahme zu rechtfertigen.

Die Morddrohung, so zynisch das klingt, bestätigt den Klub nun in seinem Vorgehen. Wenn mit Gewalt gedroht wird und Sachschäden bereits in der Vergangenheit zu verzeichnen waren, wenn Gespräche mit Einzelnen zu keinem Umdenken führen, dann ist die Entscheidung der Bayern völlig korrekt. Nicht nur sich, sondern auch das eigene Image zu schützen, ist das gute Recht eines Vereins.

Ein paar Ungereimtheiten aber bleiben. Zunächst hat die Polizei nicht, wie die Bayern behaupten, den Ausschluss der drei Fanklubs empfohlen. Die Fanklubs selbst haben auch schon in der Vergangenheit geholfen, den Absender anonymer Drohungen zu finden. Bisher eher weniger bekannt ist der Fakt, dass zumindest eine der drei bestraften Gruppen zu den besonders ideenreichen Fans gehört, was das Anfeuern des eigenen Teams angeht. Zudem gehören alle drei Gruppierungen eher zu den kritischen Fans, die sich gerne auch mit Positionspapieren zur Vergabe von Auswärtskarten oder zur Kommerzialisierung des Vereins äußern. Bayerns Manager Hoeneß nennt sie auch „hochintelligente Betriebswirtschaftler in Anzug und Krawatte“. Auch die können Menschen brutal bedrohen. Aber sie können in einem durchorganisierten Vereinsalltag ganz bestimmt auch sehr lästig sein.

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