Sport : Brutta Italia

Benedikt Voigt

Falls der Duden demnächst wieder eine Neuauflage plant, kann das Wörterbuch unter der Bezeichnung „Skandalschiedsrichter, der“ eine Erweiterung aufnehmen. Denn hierzulande wird dieses Wort zumeist nur mit dem Zusatz „Robert Hoyzer“ gebraucht. So auch gestern, als der Deutsche Fußball-Bund dem „Skandalschiedsrichter Robert Hoyzer“ eine Rechnung für seine verpfiffenen Spiele präsentierte. Über 1,8 Millionen Euro. Fällt hingegen künftig in Italien das Wort „Skandalschiedsrichter“, dürfte Verwirrung einsetzen. Welcher von den acht ist eigentlich gemeint?

Wie die Staatsanwaltschaft Neapel gestern bekannt gegeben hat, ist im italienischen Fußballskandal alles viel schlimmer als angenommen. 48 Schiedsrichter und Funktionäre werden wegen Sportbetrugs angeklagt werden, 21 von ihnen müssen sich wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung verantworten. Acht Schiedsrichter sind vom italienischen Verband sofort gesperrt worden, darunter vier, die auch internationale Spiele geleitet hatten. Was Fußballspiele betrifft, war bella Italia in der Saison 2005/2006 brutta Italia. Ein hässliches Italien. Der internationale und der europäische Fußballverband täten gut daran, die Aufklärung des mafiösen Skandals genau zu verfolgen und Konsequenzen zu ziehen. Vorläufig keine Schiedsrichter aus Italien für internationale Spiele zuzulassen, wäre so eine Maßnahme.

Wäre es nicht so traurig, könnten sich deutsche Fußballfunktionäre über das Ausmaß dieses Skandals freuen. Italien jedenfalls wäre froh, wenn es nur einen Skandalschiedsrichter hätte.

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