Sport : Bryan Roy: "Ich bin doch gar kein Torjäger"

KLAUS ROCCA

Dabei hatte Hertha auf die Treffer des Stürmers gebaut, der auch schon für Ajax Amsterdam die Stiefel schnürteVON KLAUS ROCCA BERLIN.Fußball-Ästheten schnalzen bei seinem Anblick mit der Zunge.Elegant am Ball, geschmeidig und trickreich - Bryan Roy ist eine Augenweide.Und Lob heimste er schon ein, ehe die Saison überhaupt begann.Er sei, so Otto Rehhagel beim Schwarzwald-Cup, eine Bereicherung für die Bundesliga.Kaum ein anderer, so Jürgen Röber, habe solch einen Bewegungsablauf wie er.Bei Hertha BSC frohlockte man, die "schwarze Perle" den Interessenten aus Spanien und Italien vor der Nase weggeschnappt zu haben.Da blätterte man schon mal 3,5 Millionen Mark hin, um ihn von Nottingham Forest loszueisen. Längst ist Skepsis aufgekommen, ob das Geld richtig angelegt wurde.Roy, vor 27 Jahren in Amsterdam geboren, war geholt worden, um für Hertha Tore zu schießen.Sechs Spiele sind nun absolviert - unter den vier Hertha-Treffern ist keiner von Roy."Ich bin doch gar kein Torjäger", lautet Roys verblüffender Kommentar.Gewiß, er habe bei seinen früheren Klubs in der Saison meist so etwa zehn Tore erzielt, doch der typische Goalgetter sei er nicht."Ich bereite eher Tore vor." Schon deshalb steht er nicht gern in vorderster Reihe.Ein wenig zurückgezogen, hinter den eigentlichen Sturmspitzen, da fühlt sich Roy wohl.Nur, diese Sturmspitzen sind bislang reichlich stumpf, ob sie nun Axel Kruse, Michael Preetz, Alphonse Tchami oder Carsten Lakies heißen.Hat er sie nicht genug mit Vorlagen bedient oder sind sie zu schlecht? Er mag darauf keine Antwort geben.Man hat Verständnis. So ganz unzufrieden mit sich selbst ist Bryan Roy jedenfalls nicht."Es wird immer besser.In München habe ich schon eine recht ordentliche Leistung geboten." Hatte er.Freilich, ohne für Torgefahr zu sorgen.Aber er ist ja nicht der typische Torjäger.Siehe oben. Bereut hat er es nach eigenen Angaben bislang nicht, Hertha sein Ja-Wort gegeben zu haben."Ich fühle mich hier in Berlin sehr wohl", beteuert er.Wozu sicher auch die Wohnung beiträgt, die er mit Frau Nada, einer Schauspielerin, mit Blick auf den Tiergarten bewohnt.Im selben Haus wie sein Landsmann Dick van Burik, der von seiner Penthouse-Wohnung eine noch bessere Aussicht hat. Bis zum Jahr 2001 läuft Roys Vertrag noch.Natürlich will einer, der auch für Ajax Amsterdam die Fußballschuhe schnürte und 32 Länderspiele für die Niederlande bestritt, bis dahin in der höchsten Klasse spielen.Platz neun hatte Roy vor der Saison prophezeit.Jetzt meint er trotzig: "Hertha steigt nicht ab." Er selbst kann viel dazu beitragen.Vielleicht schon am Sonnabend, wenn in Rostock die Wende eingeläutet werden soll."Hansa spielt Kraftfußball.Dem können wir mit Cleverneß begegnen", glaubt Roy zu wissen.Da braucht man nur noch clever zu werden ...

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