Sport : Bryan Roy will spielen, darf aber nicht

Klaus Rocca

Trainer Röber vermisst noch die erforderliche Fitness. Gegen Unterhachingen steht Hertha unter ZugzwangKlaus Rocca

Wie gern würde er wieder dabei sein. "Ich fühle mich fit. Der Trainer braucht mich nur noch aufzustellen." Was der aber nicht tut. So muss Bryan Roy weiter auf seine Chance warten. Dass es ihm schwer fällt, ist nur allzu verständlich. Schließlich ist Roy nach seinem in der Schlussphase der letzten Saison erlittenen Achillessehnenriss nun schon vier Monate zur Untätigkeit verdammt.

Für Ulrich Schleicher, Mannschaftsarzt von Hertha BSC, ist der 29-Jährige schon lange "kein Patient mehr". Jürgen Röber, sein Trainer, bestätigt nach vielen Trainingseinheiten: "Von der Verletzung ist nichts mehr zu spüren." Und warum stellt er ihn dann nicht auf? Röbers einleuchtende Erklärung: "Er ist noch längst nicht so weit wie vor seinem Achillessehnenriss." Roy vernimmt es zähneknirschend.

Als die Sehne riss, hatte sich der 32fache niederländische Nationalspieler gerade mit eindrucksvollen Leistungen einen Stammplatz erkämpft. Zuvor war er, der Supertechniker, schon als Fehleinkauf bezeichnet worden. Hätte ein Klub ein für Hertha akzeptables Angebot gemacht, wäre er sofort transferiert worden. Doch der für einen Fußballer ungewöhnlich zierliche Roy kämpfte sich wieder heran. Bis ihn der Riss niederwarf. Immerhin - Roy spielt wieder eine Rolle in den Überlegungen des Trainers. Das sollte ihm, bei aller Enttäuschung über die Noch-Nicht-Nominierung, Mut machen.

Ein anderer Herthaner weiß, dass er sich noch ein Weilchen gedulden muss: Kjetil Rekdal. Dennoch - schon erstaunlich weit ist er nach seinem dritten Beinbruch. Während seine Mannschaftskameraden im Training gegen den Ball treten, dreht er einsam seine Runde. Offensichtlich ohne Beschwerden. "Das Laufen geht schon wieder", meint der Norweger schmunzelnd. Und das will bei dem sonst meist so griesgrämig dreinblickenden Rekdal schon etwas heißen. Der Mannschaftskapitän sollte allerdings nicht glauben, dass ihm gleich eine Sänfte bereitet wird, wenn er halbwegs fit ist. Röber: "Ich stelle nicht nach Namen auf. Wer den fittesten Eindruck hinterläßt, der wird auch aufgestellt."

Wen er morgen beim Duell mit dem gastgebenden Aufsteiger Unterhaching aufstellt, wusste Röber gestern bei der Pressekonferenz noch nicht so recht. Sicher ist, dass der in der Champions League gesperrte Kostas Konstantinidis wieder dabei ist. Sicher ist auch, dass René Tretschok mit seinem eingerissenen Fersensporn noch Wochen ausfällt. Ungewiss ist, ob Andreas Neuendorf mitmachen kann, ob Andreas Thom nach seiner Virusinfektion völlig wiederhergesellt ist. Eyjölfur Sverrisson soll nach seiner Operation in der nächsten Woche das Training wieder aufnehmen.

Die Gefahr, seine Spieler könnten zwischen den Europapokal-Highlights gegen FC Chelsea und AC Mailand den Gegner nicht so recht ernst nehmen, sieht der Trainer nicht. Röber: "Wir wissen doch alle, dass wir auf der Hut sein müssen, den Abstand zu den Spitzenplätzen nicht noch größer werden zu lassen." Und bei aller Freude über die Achtungserfolge in der Champions League: "Die Bundesliga hat für uns Priorität." Muss sie auch haben.

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