Sport : Bubolz macht den Anfang

Der Berliner steht beim Auftakt der Hockey-WM im Tor der Deutschen

Stefan Hermanns

Berlin - Offensichtlich ist Uli Bubolz neben einem exzellenten Hockeytorhüter auch ein begabter Schauspieler. Er stand in der vergangenen Woche gerade im Hockeyladen seines Vertrauens, um sich sein Equipment für die Weltmeisterschaft abzuholen, als ihm eine wichtige und vertrauliche Nachricht zugetragen wurde. Bernhard Peters, der Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft, teilte Bubolz am Telefon mit, dass er im ersten WM-Spiel der Deutschen am Mittwoch gegen Indien (15.30 Uhr, live im ZDF) im Tor stehen würde, dass er diese Neuigkeit aber nicht gleich jedem erzählen solle. Der Verkäufer im Hockeyladen bekam zwar mit, mit wem Bubolz telefonierte, der Inhalt des Gesprächs aber blieb ihm verborgen. Dabei hätte der Torhüter des Berliner HC allen Grund gehabt, in lauten Jubel auszubrechen.

Im Juni, am letzten Bundesligaspieltag, war er kurz vor Schluss auf seine rechte Schulter gestürzt. Eine Gelenklippe riss, Bubolz musste operiert werden, und es sah nicht danach aus, dass er rechtzeitig bis zum Beginn der WM fit werden würde. Vor allem aber konnte Bubolz nicht damit rechnen, dann die Nummer eins zu sein. „Ich habe trainiert, um überhaupt dabei sein zu können“, sagt der 25-Jährige. Erst seit zwei Wochen absolviert er wieder das komplettte Programm. Schmerzen habe er zwar weiterhin, das aber, so hat man ihm gesagt, sei normal und belaste ihn nicht.

Wer bei der WM im Tor steht, Bubolz oder der fünf Jahre ältere Christian Schulte, war eine der schwierigsten Entscheidungen, die Bundestrainer Peters zu treffen hatte. Am Sonntag, nach dem Zusammentreffen der Nationalspieler, teilte er der Mannschaft seinen Entschluss mit. „Beide sind stark, haben keine Defizite“, sagt er. Bei Turnieren wie der Champions Trophy des vergangenen Jahres hat der Bundestrainer beide Torhüter etwa gleich viel spielen lassen, für die Weltmeisterschaft aber hat er eine Rotation im Tor Anfang des Jahres noch ausgeschlossen. „Das ist nicht mein Stil“, hat Peters damals gesagt. Der Meinungsumschwung hat sich jedoch schon länger abgezeichnet. Nach dem letzten Vorbereitungsturnier verkündete Peters, dass er bei der WM von Spiel zu Spiel und je nach Gegner entscheiden werde, wer im Tor stehe.

Dass Bubolz gegen Indien spielt, heißt also noch nicht, dass er während des gesamten Turniers die Nummer eins ist; allerdings hat er anders als Schulte die Gelegenheit, sich mit einer starken Leistung für weitere Einsätze zu empfehlen. Bubolz stand auch bei den letzten beiden Spielen gegen Indien, bei der Champions Trophy im Dezember und im April bei der Eröffnung des WM-Stadions in Mönchengladbach im deutschen Tor. „Die Inder sind vor allem über ihre kurzen Ecken gefährlich“, sagt der Berliner. „Das ist eher meine Stärke.“

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