BUDDHISMUS : „Solche Statuen gibt es heute in jedem Kaufhaus“

Herr Döring, werden die Buddha-Figuren im neuen Leistungszentrum des FC Bayern München die Mannschaft zum Champions-League-Sieg beflügeln?

Ach, wissen Sie, Buddha hat vor 2500 Jahren mal gesagt: „Vom Geiste gehen die Dinge aus.“ Das bedeutet, jeder ist für sich selbst verantwortlich und kann sein Schicksal selbst bestimmen.

Und was ist mit den „positiven Energieströmen“, von denen Jürgen Klinsmann gesprochen hat und die von den Statuen ausgehen sollen?

Vielleicht gibt es einen kleinen Placebo-Effekt, weil sich die Spieler einfach in den neuen Räumen wohlfühlen. Aber Energieströme senden die Statuen bestimmt nicht aus.

Was stellen die Figuren eigentlich genau dar?

So weit ich das auf Fotos gesehen habe, sind ein paar der Statuen aus Thailand oder Kambodscha, andere aus Birma. Mit Sicherheit sind es keine traditionellen oder geweihten Figuren, sondern eher welche, die für Touristen hergestellt werden. Die kann man im Versandhandel bestellen. Viele Menschen stellen sich so etwas ins Regal, ohne sich groß darüber Gedanken zu machen. Soll wohl eine ruhige Atmosphäre bewirken.

Die beiden brasilianischen Bayern-Spieler Lucio und Zé Roberto sind gläubige Christen. Kann es da zu einem Konflikt kommen?

Das glaube ich nicht. Statuen wie die, die Jürgen Klinsmann jetzt aufgestellt hat, gibt es mittlerweile in jedem Kaufhaus. Dadurch muss sich niemand angegriffen fühlen.

Missbraucht der FC Bayern buddhistische Symbole als Wellness-Objekte zwischen Playstation und Massagebank?

Ich sehe das nicht als Missbrauch. Es gibt inzwischen Buddha-Bars, die Alkohol ausschenken, Buddha-Handtücher, Buddha-Fußabtreter und Buddha-Toilettenpapier – das ist Missbrauch. Beim FC Bayern hat das alles immer noch ein gewisses Niveau.

Die Fragen stellte Lars Spannagel.

Genpo Döring, 53, leitet den

Zen-Tempel

Bodaisan Shoboji in

Dinkelscherben und sitzt im Ehrenrat der Deutschen Buddhistischen Union.

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