Sport : Bückemann Böhme

Kotau vor Assauer: Schalke begnadigt Nationalspieler

Richard Leipold

Gelsenkirchen. Wenn der Böhme zweimal klingelt, öffnet sogar Rudi Assauer die Tür, auch wenn es dem Schalker Manager eigentlich gerade nicht passt. Statt sich gemeinsam mit seinen Kollegen auf das Europapokalspiel gegen Legia Warschau vorzubereiten, eilte Mittelfeldspieler Jörg Böhme am Donnerstag zu Assauers Wohnhaus. Der Manager wollte sich nach dem Trainingslager ein wenig frisch machen. Böhme hatte sich den Unmut seiner Vorgesetzten zugezogen, weil er mehrmals zu spät zum Dienst erschienen war. So wusste er, dass diese Angelegenheit keinen Aufschub duldete und er Assauer in seiner Privatsphäre stören musste.

Was war geschehen, dass Böhme den Manager zu Hause aufsuchte? Der Mittelfeldspieler hatte mit seiner laschen Einstellung im Training am Mittwoch „das Fass zum Überlaufen gebracht“, wie Assauer sagt. Deshalb hatte sich der Manager am Mittwochabend entschlossen, Böhme abzustrafen. Mit dem Verkünden des Strafmaßes wartete er aber bis zum nächsten Morgen, „weil Böhme schon im Bett war“. Nach dem Frühstück teilte Assauer dem Profi mit, er könne nach Hause fahren und solle in aller Ruhe über seine Verfehlungen nachdenken; das Vereinsgelände brauche er „eine Woche nicht zu betreten“. Zwei Stunden später klingelte es an Assauers Haustür. Der Manager hatte sich zur Entspannung in die Sauna zurückgezogen und fühlte sich gestört. „So eine Scheiße, wer schellt denn da oben?“ Halbnackt und missmutig ging er zur Tür. Draußen stand Böhme in Begleitung von Teammanager Andreas Müller, der zur moralischen Unterstützung mitgekommen war. Eine Audienz gewährte der Hausherr nicht - „keine Zeit“; doch der Bittsteller erreichte einen Teilerfolg. Assauer bestellte ihn für Freitagvormittag in sein Büro. Dort solle er als „Bückemann“ Abbitte leisten. Böhme erschien überpünktlich und versprach Besserung.

Trainer Neubarth durfte Böhme für das Spiel in Bochum berufen. Weil Böhme im Gespräch am Freitag „große Einsicht gezeigt hat“ (Assauer), bekommt er eine „allerletzte Chance“. Aber: „Wenn noch etwas passiert, werden wir uns von ihm trennen“, sagt Assauer. Böhme habe „keine goldenen Löffel geklaut“. Aber es hätten sich Vergehen aufgehäuft. Am Sonntag war Böhme, der mehr als 100 Kilometer von Gelsenkirchen entfernt wohnt, eine Stunde zu spät zum Training gekommen. Einen Nationalspielerbonus hat er nicht. „Wen Rudi Völler nominiert, interessiert mich nicht“, sagt Assauer. Wenn ein Nationalspieler so unangenehm auffällt sei es „um so schlimmer“.

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