Bund Deutscher Radfahrer : Scharping gewinnt die Wahl

Der erste Wahlgang ging gleich mal schief. Ein TV-Team hatte angeblich Delegierte bei der Stimmabgabe gefilmt, anderen fehlte der richtige Stimmzettel. Der zweite Versuch klappte problemlos, dann war Rudolf Scharping als Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer wiedergewählt.

Frank BachnerD

Leipzig - 399 Delegierte stimmten für den früheren Verteidigungsminister, 174 für seinen Kontrahenten Dieter Berkmann, einen Orthopäden und früheren Bahnradfahrer.

Das war deutlich, mit einer solchen Schlappe für Berkmann hatte kaum einer gerechnet. Immerhin stand Scharping stark in der Kritik, hatten sich diverse Funktionäre und Spitzensportler klar gegen ihn ausgesprochen. Und außerdem ging es um das ganze System. Jedenfalls sahen das Berkmanns Anhänger so. Der BDR mit seinem miesen Image sollte von ihnen aufpoliert werden. Mehr Transparenz, mehr interne Demokratie. So liefen die Fronten vor der ersten Kampfabstimmung um den Chefsessel seit 60 Jahren.

Am Ende entschied vor allem Scharpings Auftritts. Der rhetorisch versierte Medienprofi gab den Kämpfer, schrie fast ins Mikrofon, er kämpfte gegen Leute, denen er Heuchelei, Intrigen und Hinterzimmer-Diplomatie vorwarf. Da habe er unzählige Gespräche mit ARD, ZDF und anderen Medien geführt, um wieder mehr Aufmerksamkeit für den Radsport zu wecken. Und dann? „Dann zuckt man zusammen, wenn man aus dem eigenen Verband hört, dass das doch alles Show sei.“ Oder der Anti-Doping-Kampf. Da habe er ein Unternehmen gefunden, das 40 000 Euro für Doping-Kontrollen bereitstelle. „Und dann hört man aus dem eigenen Verband, dass der Anti-Doping-Kampf schlecht ist. Wie soll man denn so einen Sponsor dazu überreden, den Vertrag zu verlängern.“ Der Sponsor sprang ab.

Auch deshalb ist die finanzielle Lage des BDR „außerordentlich schwierig“, musste Scharping zugeben. 2009 plant der BDR mit 1,7 Millionen Euro Einnahmen, das sind 536 000 Euro weniger als 2008. Die Sponsoreneinnahmen sind regelrecht eingebrochen.

Berkmanns Plan basierte darauf, die unentschlossenen Delegierten auf seine Seite zu ziehen. Aber nach seiner Präsentation war fast klar, dass dies scheitern würde. Zu dröge, zu einschläfernd redete er. Zu wolkig war seine Agenda 2012/ 2016. Ihre Ziele konnte er nicht erklären. „Ich bin rhetorisch kein Profi. Es ist gut möglich, dass die Präsentation mich ein paar Stimmen gekostet hat“, sagte Berkmann. Dieter Kühnle, der Berkmanns Vizepräsident werden wollte und treibende Kraft gegen Scharping war, gab zu, „dass ich enttäuscht bin“.

Der Sieger erklärte, dass er von seiner klaren Mehrheit auch etwas überrascht sei: „Die Prognose war eine andere.“ Aber dann wurde er sehr schnell selbstbewusst. „Der BDR ist ein sehr gut aufgestellter Verband, der aber unter den Problemen des Straßen-Radsports leidet.“ Als ein Anhänger Berkmanns diesen Satz hörte, knurrte er nur: „Der BDR leidet noch unter ganz anderen Problemen.“ Aber die spielten bei der Wahl keine entscheidende Rolle. Frank Bachner

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