Bundesliega : Das 0:2 steht

Der HSV gerät zu oft deutlich in Rückstand – und rätselt über seine Taktik

Karsten Doneck

Berlin Ein bisschen schwebt schon wieder der Geist von Huub Stevens über dem Hamburger SV. Nicht etwa, dass der norddeutsche Fußball-Bundesligist damit liebäugelt, seinen alten Trainer vom PSV Eindhoven zurückzuholen. Doch spätestens das erbärmliche 0:3 am Samstag gegen Hannover 96 hat Diskussionen ausgelöst, ob die von Stevens mit Vorliebe angewandte Defensivtaktik nicht besser sei als die vom derzeitigen Trainer Martin Jol bevorzugte offensive Variante. „Vielleicht müssen wir in Zukunft auswärts defensiver spielen“, grübelt Jol. Auch Torwart Frank Rost sagt: „Wir müssen daran arbeiten, weniger Chancen zuzulassen.“

Der HSV hat bereits zum dritten Mal in dieser Saison auswärts 0:3 verloren: erst beim VfL Wolfsburg, dann in Hoffenheim, jetzt bei Hannover 96. In allen drei Partien lagen die Hamburger spätestens nach einer halben Stunde schon mindestens 0:2 zurück. 0:2-Rückstände werden allmählich zur Gewohnheit beim HSV. Diesen Spielstand beklagten die Hamburger in sechs ihrer bisherigen elf Ligaspiele. „Das kann kein Normalzustand sein“, beschwert sich HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer. In der Hälfte der Fälle aber hat der HSV aus dem 0:2-Rückstand heraus sogar noch gepunktet: beim FC Bayern (2:2), in Bielefeld (4:2) sowie gegen Leverkusen (3:2).

Längst betreibt der HSV Ursachenforschung. Das taktische Verhalten gilt dabei nur als ein möglicher Grund. Ein anderer: Es gelingt der Mannschaft einfach nicht, hellwach auf den Platz zu kommen. Piotr Trochowski wundert sich nach dem Fiasko von Hannover: „Wir haben – wie in den anderen Auswärtsspielen auch – die ersten Minuten verschlafen.“ Dazu kommen Unkonzentriertheiten. Abwehrchef Bastian Reinhardt stellt fest: „Mit unseren Fehlern im Spielaufbau machen wir den Gegner stark.“ Und dann ist da diese Diskrepanz zwischen den Auftritten im heimischen Stadion und den Auswärtsspielen. In Hamburg hat der HSV von bisher 15 möglichen Punkten 13 geholt, nur gegen Schalke 04 (1:1) musste sich die Mannschaft mit einem Remis begnügen. Auswärts ließ der HSV in sechs Spielen schon 14 Gegentreffer zu. Dass mit Nigel de Jong und Thimothee Atouba zwei Leistungsträger in der Defensive verletzungsbedingt langfristig ausfallen, kann allenfalls als mäßige Ausrede durchgehen. Zu stark ist der Kader des HSV insgesamt besetzt.

Vielleicht könnte das eingemottet geglaubte Stevens-System tatsächlich Rettung bringen. Vielleicht ginge alles aber auch einfacher, wenn die HSV-Profis das beherzigen, was Trochowski fordert: „Wir müssen in Zukunft von der ersten Sekunde an konzentrierter sein, noch entschlossener spielen.“ Wenn’s doch so einfach wäre. Karsten Doneck

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