Bundesliga : 1. FC Nürnberg: Ohne Hurra

Der 1. FC Nürnberg entdeckt sein Kämpferherz.

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Foto: dpadpa

Nürnberg - Reiner Calmund ist schon lange nicht mehr im Fußball tätig, aber sein Ruf, ein ziemlich gewiefter Vertreter seines Metiers zu sein, hat auch unter seinen Post-Fußball-Aktivitäten nicht gelitten. In diesem Winter ist eine alte Geschichte mal wieder aufbereitet worden, die Calmunds Cleverness treffend charakterisiert. Im Winter 2002 verlieh Bayer Leverkusens Manager den Deutsch-Brasilianer Paolo Rink an den Ligakonkurrenten 1. FC Nürnberg, allerdings nur mit der vertraglich fixierten Einschränkung, dass der Stürmer gegen seinen Ex-Klub nicht eingesetzt werden dürfe. Eine solche Klausel enthält die Vereinbarung nicht, die der 1. FC Nürnberg in diesem Winter mit dem FC Schalke 04 getroffen hat. Peer Kluge, bis vor wenigen Tagen noch in Nürnberg unter Vertrag, wird daher am Sonntag, gleich zum Rückrundenauftakt, gegen seinen früheren Verein spielen dürfen. „Wir haben mündlich ausgemacht, dass Peer gegen uns nicht trifft“, sagt Martin Bader, der Manager des Clubs.

Ein bisschen seltsam ist es ja schon, wenn der Vorletzte der Fußball-Bundesliga einen seiner erfahrensten Spieler zur Halbserie ziehen lässt. Aber die Millionenablöse war am Ende das ausschlaggebende Argument; Kluges Vertrag wäre im Sommer ohnehin ausgelaufen. Als falsches Signal – als Zeichen vorzeitiger Resignation – wollen die Nürnberger den Verkauf ihres Mittelfeldspielers jedenfalls nicht verstanden wissen. Im Gegenteil: „Wir haben alles getan, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass wir es noch schaffen“, sagt Bader.

Beim Club ist einiges neu in der Rückrunde: Mit Dieter Hecking haben die Nürnberger nicht nur einen neuen Trainer bekommen, mit ihm soll auch eine neue Philosophie Einzug halten. „Wichtig wird sein, dass wir künftig nicht mehr im Hurrastil herumlaufen“, sagt Hecking. Die spaßigen Zeiten sind vorbei. Der Nachfolger des kumpelhaften Michael Oenning strich seinen Spielen gleich fünf Tage Urlaub. „Ich will wieder Feuer und Leben in die Mannschaft bringen. Jeder Grashalm muss brennen, wir müssen kratzen und beißen“, sagt Hecking.

Dazu sollen auch die beiden bisherigen Verpflichtungen des Winters beitragen: Andreas Ottl und Breno kommen als Leihgaben vom FC Bayern München. Vor allem beim 24 Jahre alten Ottl zeichnet sich ab, dass er eine verantwortungsvolle Rolle in Heckings Planungen spielt. Er ist für Kluges Position vorgesehen, soll im defensiven Mittelfeld allerdings noch Verstärkung an seine Seite bekommen. Erster Kandidat ist Mickael Tavares vom Hamburger SV, der bisher aber noch keine Freigabe erhalten hat. „Es wäre ein Riesenfehler, wenn wir jetzt alles auf Ottl abschieben würden“, sagt Dieter Hecking. Allerdings traut er dem Münchner nicht nur wegen der bisherigen Eindrücke aus dem Training einiges zu: „Wer bei den Bayern die Nummer 14 oder 15 ist, kann so schlecht nicht sein.“ Tsp

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