Sport : Bundesliga auf dem Land

Warum so viele Fußball-Erstligaklubs ihre Vorbereitung auf die Rückrunde in Kropp beenden

Karsten Doneck

Berlin - Es muss einem nicht langweilig werden abends in Kropp. Am Dienstag zum Beispiel hatte der Musikzug seinen Probeabend im Rettungszentrum der Freiwilligen Feuerwehr. Die Massagepraxis Timm lud zur Wassergymnastik. Squaredance wurde auch angeboten. Und die Diakonie bot ein „Heiteres Gedächtnistraining“ an – „nicht nur für Senioren“, wie es im Zusatz hieß.

Bekannt geworden ist Kropp aber durch ein anderes Ereignis. In dem ländlichen Ort in Schleswig-Holstein zwischen den Flüssen Sorge und Schlei werden an diesem Sonntag Werder Bremen und der Hamburger SV im Stadion an der Norderstraße eine Tradition fortsetzen. Seit 15 Jahren schon lädt die Gemeinde Kropp im Kreis Schleswig-Flensburg vor dem Ende der Winterpause die Bundesliga zu sich nach Hause ein. Neben Werder Bremen und dem HSV schlossen auch schon Bayern München, VfB Stuttgart, Schalke 04 und Hertha BSC ihre Vorbereitungen im neuen Jahr in Kropp ab.

„Das ist jetzt fast schon Kult“, sagt Dietmar Mangelsen, der in der Nordostsee-Sparkasse des Ortes arbeitet und nebenher den Förderkreis des Verbandsligisten TSV Kropp leitet. Gemeinsam mit Jürgen Muhl, Redaktionsleiter der „Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung“ in Rendsburg, organisiert er maßgeblich die großen Ballnachmittage in Kropp. Ein Sponsoren-Pool, angeführt von der Holsten Brauerei, trägt das finanzielle Risiko. Der Etat für das Nordderby zwischen Werder und HSV liegt bei 90 000 Euro. Knapp die Hälfte davon kommt durch Eintrittsgelder wieder rein. 6000 Zuschauer werden erwartet. Kropp hat 6400 Einwohner.

Vor mehr als 15 Jahren saßen in Kropp ein paar Fußballfans zusammen und sorgten sich um ihren Lieblingsklub Werder Bremen. Der war in der Bundesliga ins Mittelmaß gerutscht, die Anhänger litten. Die Männerrunde in Kropp wollte unbedingt positiv auf die Geschicke der Bremer einwirken. Nur wie? Ein aufmunternder Brief könne nicht schaden, dachten sie. Also wurde auf einem Briefbogen des TSV Kropp munter drauflos formuliert. Die Botschaft an Werder lautete etwas vereinfacht: „Es kommen auch wieder bessere Zeiten.“ Der Brief verfehlte seine Wirkung nicht. Die Bremer erholten sich sportlich wieder, und der damalige Werder–Manager Willi Lemke bedankte sich beim TSV Kropp, indem er die Bundesligamannschaft kurzerhand zu einem Spiel vorbeischickte. Damit kam im beschaulichen Kropp der Fußball ins Rollen.Warum immer im Winter? „Da ist die Gage für die Vereine nicht ganz so hoch“, sagt Mangelsen.

Jürgen Muhl hat inzwischen viele Verbindungen zu den Klubs der Bundesliga geknüpft. Es hat sich herumgesprochen, dass die Bedingungen und die Atmosphäre gut sind in Kropp, mitten auf dem Land in Schleswig-Holstein. Lange hielt sich in Kropp ein so genanntes Blitzturnier: Drei Mannschaften nahmen teil, jeder spielte gegen jeden eine Halbzeit. Inzwischen wollen die Bundesligatrainer lieber einen Test über die volle Distanz. Gegen das Winterwetter sind sie in Kropp neuerdings auch gewappnet. Zum Schutz vor Frost haben sie eine Folie angeschafft, 7000 Quadratmeter groß. Bei Bedarf soll damit vor dem Spiel der komplette Rasen abgedeckt werden.

Ausschreitungen habe es bisher nicht gegeben, wenn die Fans der Bundesligaklubs kommen. „Klar, als Schalke hier war, ging es etwas lebhafter zu. Da flogen auch mal Bierbecher herum, aber Rabatz gab es nie“, sagt Mangelsen. Bei aller Planung müssen er und Muhl auch manchmal noch schnell improvisieren. Im vorigen Jahr hatten Unbekannte sechs Tage vor dem Großereignis die neue Lautsprecheranlage im Stadion gestohlen. Wert: 12 000 Euro. Jürgen Muhl konnte noch schnell Ersatz besorgen.

Für diesen Sommer hat sich Muhl nun ein besonderes Spiel ausgesucht. Er verhandelt gerade mit dem FC Liverpool.

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