Bundesliga : Auf nach unten

Hertha verliert zum Rückrundenauftakt gegen Frankfurt 0:3 und taumelt dem Abstiegskampf entgegen. Bei den Hessen feierte Neuzugang Martin Fenin ein phänomenales Debüt.

Stefan Hermanns
Hertha BSC - Eintracht Frankfurt
Martin Fenin (r.) trifft zum 1:0 für Eintracht Frankfurt. -Foto: dpa

Berlin - Das Olympiastadion war gestern kein Ort großer Ausgelassenheit. Lag es nun am Warnstreik der BVG, der Teile des öffentlichen Nahverkehrs zum Erliegen brachte, oder waren es doch eher die Ausläufer der verkorksten Hinrunde? Der letzte Heimsieg von Hertha BSC stammt von Anfang November. Zum Auftakt der Bundesliga-Rückrunde blieb das Olympiastadion größtenteils leer. Vor der drittschlechtesten Saisonkulisse von lediglich 35 930 Zuschauern unterlag der Berliner Bundesligist der Mannschaft von Eintracht Frankfurt mit 0:3 (0:1). Dreifacher Torschütze war ein Frankfurter Neuzugang, der Tscheche Martin Fenin. Für die Berliner aber war es die 10. Saisonniederlage, die Mannschaft droht trotz zahlreicher Neuzugänge in der Winterpause in Abstiegsnöte zu geraten.

Herthas Trainer Lucien Favre wartete gleich mit drei Bundesligadebütanten auf, wobei darunter nur zwei Neueinkäufe waren. Während mit dem Einsatz von Raffael (4 Millionen Euro Ablöse) und Gojko Kacar (3) schon allein wegen ihrer vorhergesagten Klasse gerechnet werden durfte, überraschte insbesondere der Einsatz von Pascal Bieler auf der linken Abwehrseite. Eigentlich wollte Bieler in der Winterpause zum FC St. Pauli wechseln, weil er in Berlin keine Perspektive sah, doch Hertha verweigerte dem 21 Jahre alten Linksfuß die Freigabe. Malik Fathi, der im Abwehrverbund die linke Seite bekleidet, rückte erstmals in die Innenverteidigung, weil Kapitän Arne Friedrich verletzt ausfiel.

Die Gäste aus Frankfurt, die die beste Hinrunde seit 14 Jahren hingelegt hatten, begannen so, als wollten sie diese vermeintliche Schwachstelle in Herthas Hintermannschaft so schnell wie möglich nutzen. Sie spielten direkter und schneller in die Spitze. Schon in der Anfangsphase hatte Frankfurts neuer Stürmer Martin Fenin (3,5 Millionen Euro) zwei gute Möglichkeiten, die Herthas Torwart Jaroslav Drobny allerdings vereiteln konnte. Dann war es Bieler, der nach knapp 20 Minuten einen strammen Schuss des Frankfurter Kapitäns, Ioannis Amanatidis, blockte.

Die runderneuerte Mannschaft der Berliner, die sehr nervös und fahrig wirkte, kam selten, bisweilen gar nur zufällig ins Spiel. Im Aufbau waren ihre Aktionen langsam, unpräzise und durchsichtig. Das sollte sich auch mit zunehmender Spielzeit nicht ändern. Aus dem Spiel heraus brachten sie nicht eine echte Torchance zu Stande. Das Spiel der Frankfurter dagegen wirkte insgesamt reifer und durchdachter, vor allem hatte das Team im Mittelfeld eine Dominanz.

Auf Seiten der Berliner blieben insbesondere die mittleren Außenspieler Chinedu Ede und Patrick Ebert blass. Dem jungen brasilianischen Stürmer Raffael, über den sich wahre Wunderdinge erzählt wurden, fehlte die Bindung und blieb ein ganzes Spiel lang wirkungslos.

Und so war es nur eine Frage der Zeit, bis die Frankfurter in Führung gingen. Fünf Minuten vor der Pause nutzte der erst 20 Jahre alte Fenin seine dritte Gelegenheit zum 1:0. Herthas Abwehr sah dabei schwach aus, der Tscheche kam ungedeckt zur Ballannahme und unbedrängt zum Schuss. Drobny war machtlos. Noch vor dem Pausenpfiff verhinderte er nach einem raschen Konter der Frankfurter gegen Amanatidis Schlimmeres. Es hielt die Zuschauer nicht davon ab, Herthas Profis mit Pfiffen in die Kabine zu begleiten.

Das Bild nach dem Wechsel änderte sich nicht. Frankfurt blieb überlegen und hätte durch den ehemaligen Herthaner Benjamin Köhler auf 2:0 erhöhen können. Drobny aber war zur Stelle. An ihm lag es nicht, dass Hertha mit einer Niederlage in die Rückrunde startete. Denn erneut war es der Frankfurter Neueinkauf Fenin, der nach einer Stunde aus spitzem Winkel zum 2:0 traf. Dieses Mal ließ ihm Sofian Chahed freie Bahn.

Herthas Trainer Favre reagierte und wechselte fleißig. Eine Verbesserung stellte sich dadurch aber nicht ein. Im Gegenteil: Martin Fenin erzeilte noch kurz vor dem Abpfiff das 3:0 und feierte einen überragenden Bundesligaeinstand. Bei Hertha konnte nicht einer überzeugen.

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