Bundesliga-Aufstakt : Ultras setzen Protest gegen DFB fort

Keine Entspannung beim Saisonstart: Die Fans begehren weiterhin gegen den Verband auf - auch beim Duell Hertha gegen Stuttgart im Olympiastadion.

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Aufgeheizte Stimmung. Hertha-Fans kritisieren am Samstag den DFB.
Aufgeheizte Stimmung. Hertha-Fans kritisieren am Samstag den DFB.Foto: Gambarini/dpa

Es war ein imposantes Bild, das die Ostkurve beim Einlaufen beider Mannschaften im Olympiastadion abgab. Auf den Rängen wurden die Handys gezückt. Blaue und weiße Fähnchen flatterten in der Fankurve von Hertha BSC, ein riesiger Wimpel, der von der Tartanbahn bis unter das Dach reichte, stieg in die Höhe. Es war ein Bild ganz anders als das, das einige Anhänger des Berliner Klubs nur fünf Tage zuvor abgeliefert hatten, als beim Pokalspiel in Rostock Feuerwerksraketen zwischen den Fanblöcken hin- und hergeflogen waren. Die Choreografie zum Spiel gegen den VfB Stuttgart hatte nicht nur eine Menge Geld gekostet, sondern auch viel Mühe. Überhaupt müssen die Berliner Ultras in den vergangenen Tagen recht fleißig gewesen sein. In den Umläufen des Stadions hatten sie in regelmäßigen Abständen Din-A-3-Blätter angebracht, auf denen sie eine wichtige Botschaft an die Normalfans verbreiteten. Sinngemäß lautete sie: Der Kampf gegen den Deutschen Fußball-Bund geht weiter.

Dabei gab es zuletzt erste Anzeichen für eine mögliche Entspannung. Zwei Tage nach den Vorfällen in Rostock hatte DFB-Präsident Reinhard Grindel einseitig verkündet, dass der Verband bis auf Weiteres auf Kollektivstrafen wie Blocksperren oder Zuschauerausschlüsse verzichten werde, und damit eine wichtige Forderung der aktiven Fanszene erfüllt. Und um zu beweisen, dass es sich nicht um leere Worte handelt, gab Grindel gleich noch einem Gnadengesuch des FC Hansa Rostock statt, der zwei Auswärtsspiele ohne Unterstützung seiner Fans hätte bestreiten sollen. Doch die Hoffnung auf echte Entspannung haben sich erst einmal nicht erfüllt – dazu genügte am Samstag ein Blick in die deutschen Fußballstadien von der Ersten bis zur Dritten Liga. Im Olympiastadion sangen die Fans aus Berlin und Stuttgart wechselseitig „Scheiß DFB!“, genauso war es beim Spiel des VfL Wolfsburg gegen Dortmund.

Fans fordern Taten statt Dialogen

Auch mit Plakaten taten die Anhänger ihren anhaltenden Unmut kund. „Fick dich, DFB!“ war in Berlin zu lesen. Und: „Dialoge? Hatten wir genug! Ihr seid erstmal mit Taten am Zug.“ Was dahinter steckte, erklärten Herthas Anhänger sehr ausführlich und etwas weniger plakativ auf den Din-A-3-Zetteln, die sie an die Stadionwände geklebt hatten. Unterzeichnet war die Erklärung von den Harlekins, der Hauptstadtmafia und den Dynamic Supporters Berlin. Sie klagten, dass die Stadiongänger von den Verbänden in einer Art drangsaliert würden, „die nicht mehr akzeptabel ist“. Und dabei gehe es nicht um ultratypische Belange, sondern um Dinge, die alle Fußballfans beträfen.

Explizit wurden genannt: Sanktionen für Spruchbänder und Gesänge, Stadionverbote auf Verdacht, Zerstückelung der Spieltage, die Eventisierung beim Pokalfinale, die Teilnahme von Chinas U 20 am Spielbetrieb der Regionalliga Südwest sowie die gekaufte WM 2006 und die mangelnde Aufklärung durch den Verband.

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„Die Entwicklungen im deutschen Fußball bereiten uns Sorgen. Es ist mittlerweile unbestreitbar, dass sich die Führung des DFB von der Basis weit entfernt hat“, schreiben die Berliner Ultras. Und die letzten Jahre hätten gezeigt, „dass die Verbände nie an einem echten Dialog auf Augenhöhe interessiert waren. Gelegenheiten gab es dafür genug.“ Stattdessen seien sämtliche Gespräche zwischen Fanvertretern und Verbänden im Nichts verlaufen. „Daher trauen wir den aktuellen Lippenbekenntnissen des DFB nicht über den Weg. Und solange dies der Fall ist, werden wir unseren Protest in die Stadien tragen!“

Die Ultras glauben, dass der DFB weiter versuchen werde, „unsere Stimme klein zu halten und uns Stadiongänger als Minderheit von geringerer Bedeutung zu bezeichnen“, aber gerade deshalb seien sie „erst recht gewillt, dem DFB und seinen Verantwortlichen die Zähne zu zeigen“. Was am ersten Spieltag bewiesen wurde. Nicht nur in Berlin.

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