Bundesliga : Auswärts ist das neue Zuhause

Noch nie hat es in 46 Jahren Bundesliga so viele Auswärtssiege gegeben wie in dieser Saison. Die zunehmende Leistungsdichte ist nur ein Grund dafür.

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Zerstören für den Sieg. Kölns Petit (links) unterbindet beim 2:1 in Frankfurt den Angriff von Alexander Meier. -Foto: ddp

Berlin - Es läuft beim 1. FC Köln. Endlich schießt der Klub wieder Tore in der Bundesliga. Zuletzt gab es mit dem 3:2 in Wolfsburg und dem 2:1 in Frankfurt zwei Auswärtssiege, und das ohne die beiden Stürmer Milivoje Novakovic und Lukas Podolski. Die beiden waren noch dabei, als die Kölner ihre Serie von nunmehr acht Auswärtsspielen ohne Niederlage starteten. In den ersten sechs Spielen kassierten sie dabei kein einziges Gegentor, ein Bundesligarekord. Zu Hause gegen den 1. FC Köln zu spielen, macht keinen Spaß – aber auch gegen die anderen Gegner wird es für die Heimmannschaften immer schwieriger, die eigenen Fans mit einem Sieg aus dem Stadion zu entlassen, obwohl sie per Definition des Begriffs Heimspiel zum Angriff verpflichtet sind.

Noch nie hat es in 46 Jahren Bundesliga so viele Auswärtssiege gegeben wie in dieser Saison. Nach dem 20. Spieltag sind es 57, denen nur 71 Heimsiege gegenüberstehen, 52 Spiele endeten unentschieden. Das sind knapp 39 Prozent Heimsiege, in der Saison 1987/88 waren es noch 55,8 Prozent. In grauer Vorzeit, zu Beginn der Siebzigerjahre, hat der FC Bayern 73 Heimspiele hintereinander nicht verloren. Jetzt ist der Heimvorteil in der Bundesliga und auch in England oder Spanien immer weniger wert.

Oft wird von der Schere bei den Möglichkeiten der verschiedenen Bundesligaklubs gesprochen, nach einer Studie der Technischen Universität Dortmund ist aber die zunehmende Leistungsdichte in der Bundesliga einer der Gründe für den mehr und mehr schwindenden Heimvorteil. Zudem ist die Größe der Spielfelder in den meisten Stadien anders als früher sehr ähnlich, selten muss eine Team seine Spielweise gravierend umstellen.

Viel wichtiger ist ein anderer Grund. Werder Bremen etwa hat nur 12 seiner 28 Punkte im Weserstadion geholt. Die Bremer sind grundsätzlich offensiv eingestellt, zu Hause noch mehr als auswärts. Sie stecken in einer tiefen Krise, weil sie sich permanent auskontern lassen, was auswärts nicht ganz so häufig passiert, weil sie hier weniger weit aufrücken. Viele Tore im modernen Fußball fallen nach schnellen Gegenangriffen, ein Vorteil für die Auswärtsmannschaften. So erscheint das schöne Offensivspiel der Bremer derzeit leider fast als ein bisschen gestrig. Denn eine deutlich bessere Auswärts- als Heimbilanz haben Teams wie Bochum, Freiburg oder eben die Kölner, die selbst wenig zu einem konstruktiven Spielaufbau beitragen. Ganze 68 Chancen hat sich Köln in dieser Saison erspielt, Bremen hingegen 145. Doch weil die Zahl der Chancen und die der Tore insgesamt sehr niedrig ist, ist ein erfolgreicher Konter im Wert gestiegen.

Wenn sich destruktive Spielweise und das bloße Hoffen auf Konter mehr lohnen als ein aufgebauter Angriff, sollten sich die Heimfans also überlegen, ob sie ihre Mannschaft nach vorne brüllen.

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