Bundesliga : Ausweitung der Problemzone beim FC Bayern

Erst plagt sich der FC Bayern München mit Termindruck und Kadernöten – und nun fällt auch noch Arjen Robben aus.

Thomas Becker
Wieder im Abseits. Bei Arjen Robben wurde ein fünf Zentimeter großes Loch im linken Oberschenkel entdeckt, der niederländische Nationalspieler fehlt dem FC Bayern München mindestens zwei Monate.
Wieder im Abseits. Bei Arjen Robben wurde ein fünf Zentimeter großes Loch im linken Oberschenkel entdeckt, der niederländische...Foto: dpa

Früher hießen seine Patienten Cruyff und van Hanegem, und auch heute noch pilgert die holländische Fußballprominenz aus Mailand, Madrid und München nach Rotterdam: Wesley Sneijder, Rafael van der Vaart und Arjen Robben vertrauen Dick van Toorn. 77 Jahre alt ist der Mann, aber immer noch gilt der Physiotherapeut als moderner Schamane – und als Spezialist für Muskelverletzungen. Kein Wunder, dass auch der fragile Hochgeschwindigkeitsdribbler Robben irgendwann bei ihm vorstellig wurde. Immer wieder hat van Toorn den anfälligen Fußballprofi hinbekommen – mit welchen Mitteln, das hat nie jemand gefragt. Diesmal schon.

Nachdem sich beim Trainingsauftakt des FC Bayern herausstellte, dass der Vizeweltmeister keineswegs fit ist, sondern mit einem fünf Zentimeter großen Loch im linken Oberschenkelmuskel lostrainieren wollte („Ich kann es kaum erwarten, bis es endlich wieder losgeht“), ist die Wut der Bayern- Bosse nun gewaltig. „Wieder einmal müssen wir die Zeche dafür bezahlen, dass unsere Spieler bei der Nationalmannschaft waren“, schimpfte Karl-Heinz Rummenigge. Der Wutausbruch des Vorstandschefs ist verständlich, schließlich ist die gut zweimonatige Zwangspause für Robben nicht die einzige Baustelle des Rekordmeisters.

Ungemach droht vor allem vom Kalender. Die sieben deutschen und die drei holländischen WM-Teilnehmer sind gerade erst aus dem Urlaub zurück, und schon geht die Hetze wieder los: Supercup am Samstag, von Montag bis Donnerstag geht’s zum Länderspiel nach Dänemark, am Freitag steht das etwas verspätete Abschiedsspiel für Franz Beckenbauer gegen Real Madrid an, und am Montag findet das erste Pflichtspiel im DFB-Pokal gegen Windeck in Köln statt. Trainer Louis van Gaal findet das alles mal wieder „unglaublich“. Und Bayerns Sportdirektor Christian Nerlinger fordert nun, „dass bald geklärt wird, wer an dem Länderspiel teilnehmen muss. Ich rate allen unseren Spielern ab. Auch Philipp Lahm.“ Kapitänsdebatte hin oder her.

Es sind mal wieder unruhige Zeiten beim FC Bayern. Die WM und ihre Folgen bescherten Fitnesscoach Marcelo Martins sowie fünf Amateurspielern ein Debüt im Profi-Team und sorgten auch dafür, dass der dritte Torwart der zweiten Mannschaft in der Dritten Liga als Rechtsaußen auflaufen musste. Im selben Spiel zog sich Daniel van Buyten eine Bänderzerrung im Sprunggelenk zu. Er fällt zehn bis vierzehn Tage lang aus. Darüber hinaus sind die rechtlichen Folgen von Franck Ribérys außerehelichen Exkursionen noch nicht geklärt. Dabei ist der Kader nach van Gaals Geschmack mit 26 Mann eigentlich noch zu voll.

Im Mittelfeld streiten elf Spieler um vier Plätze, im Sturm vier Mann um einen Platz. Der Ausfall Robbens erspart van Gaal nun womöglich vorerst die Suche nach einem Platz für den hochveranlagten Heimkehrer Toni Kroos. Der könnte Thomas Müllers zentrale Position zwischen den Sechsern und dem Stoßstürmer einnehmen und Müller, dessen Vertrag offenbar bis 2015 verlängert werden soll, könnte dafür auf den rechten Flügel wechseln – wenn sich nicht doch noch Hamit Altintop für die Robben-Position empfiehlt. Robben muss sich derweil wieder in die Hände der Ärzte begeben. Nach Rotterdam wird er aber wohl nicht mehr fahren.

Bayerns Hausarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt war über den Umgang mit Robben erbost. „Ich finde es unverantwortlich, dass man die Verletzung nicht genauer diagnostiziert hat und Arjen hat spielen lassen“, sagte er. In Südafrika hatte er den Holländern seine Hilfe angeboten, doch die wollten sich lieber selbst um Robben kümmern. Was der Bayern-Arzt von Dick van Toorn und seinen unkonventionellen Methoden hält, behält er lieber für sich.

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