Bundesliga : Bayern besiegt Hannover 3:0

Zufriedenes Lächeln bei Bayern-Trainer Louis van Gaal: Nach dem Erfolg in der Champions League gewinnen die Bayern auch in der Liga. In Hannover siegen die Münchner 3:0 und klettern auf den vierten Tabellenplatz.

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Ivica Olic (mitte) freut sich über seinen treffer zum 2:0. -Foto: dpa

Von Christian OttoDieses unscheinbare Stück Papier war ihm ganz schön wichtig. Louis van Gaal legte allergrößten Wert darauf, die statistische Auswertung des 14. Spieltages mit nach Hause nehmen zu dürfen. "Das kann eine Wende werden, aber wir müssen noch mehr machen", sagte der Trainer des FC Bayern München, als er nach dem souverän herausgespielten 3:0 (1:0)-Erfolg bei Hannover 96 die Tabelle der Fußball Bundesliga studierte. Van Gaal und die Profis des Rekordmeisters fühlten sich, das war nicht zu übersehen und zu überhören, als die großen Gewinner dieses Spieltages. Von Platz vier aus ist Spitzenreiter Bayer Leverkusen nämlich schon wieder in Sichtweite. Mit entsprechend breiter Brust verließen die Bayern gestern Abend Niedersachsen.

Als Bastian Schweinsteiger und Mario Gomez mit nacktem Oberkörper aus der Fankurve zurückgekehrt waren, sah alles wie immer aus. "Deutscher Meister wird nur der FCB", sangen die Anhänger der Münchener und hatten ihre Spieler nach der einseitigen Partie schon wieder ganz schön lieb. Thomas Müller nach 19 Minuten, Ivica Olic kurz nach der Halbzeit und Gomez Sekunden vor dem Schlusspfiff trafen für eine Mannschaft, die sich gegen die tapfer kämpfenden Hannoveraner keine Blöße gab. Vor allem den starken Innenverteidigern Martin Demichelis und Daniel van Buyten gelang ein fehlerloser Auftritt. "Wenn wir aus dieser Ordnung heraus spielen, dann wird es schwer, gegen uns zu gewinnen", sagte der zufriedene Bayern-Torhüter Jörg Butt.

Ein lächelnder van Gaal

Bei einem großen Verein wie dem FC Bayern München lohnt es sich immer, auch auf die kleinen Szenen zu achten. Die hölzerne Trainerbank in Hannover, die ein Sponsor stets in unmittelbarer Nähe der Außenlinie postieren lässt, hatte van Gaal boykottiert. Es war dem 57-Jährigen, dessen Arbeitsplatz vorerst wohl als gesichert bezeichnet werden darf, offenbar ein Bedürfnis, sich lieber ein paar Meter weiter nach hinten zu seinem Trainerteam und den Reservisten auf die richtige Ersatzbank zu setzen. Dort bejubelte van Gaal das erste Tor seines Teams so ausgelassen, als habe man soeben gegen Real Madrid oder Manchester United getroffen. Und als das Erfolgserlebnis in Hannover nicht mehr in Gefahr geraten konnte, sah man den sonst so griesgrämig aussehenden Trainer sogar zufrieden lächeln. "Die Entschlossenheit der Bayern vor dem Tor hat heute den Unterschied ausgemacht", sagte 96-Trainer Andreas Bergmann voller Neid.

Es war der Meister der Effektivität, der gestern vor 49.000 Zuschauern sein Comeback gegeben hat. "Wir haben das heute sehr gut zu Ende gespielt", sagte Nationalspieler Gomez, der im Angriff ordentlich mitgewirkt hatte, aber vom agilen Olic deutlich übertroffen wurde. Der Auftritt der beiden Stürmer war vor allem deshalb von besonderer Bedeutung, weil auf der Auswechselbank mit dem in München eigentlich schon ausgemusterten Luca Toni nur eine echte Alternative für die Offensive gesessen hatte. Ob es für den Italiener eine Zukunft bei den Bayern gibt, ließ sein strenger Trainer gestern offen. "Ein Profispieler beim FC Bayern München muss den Anforderungen des Trainers entsprechen. Wenn er das nicht tut, wird er auch keine Chance mehr bekommen", sagte van Gaal, der immer noch auf eine Entschuldigung von Toni für dessen fehlenden Gehorsam wartet.

Dass sich ein Mann wie van Gaal zu internen Streitereien öffentlich und auch noch wortreich äußert, spricht für das zurückgekehrte Selbstvertrauen des zuletzt unter Beschuss geratenen Trainers. Sein offensiver Auftritt vor den vielen Mikrofonen, sein gieriger Blick auf die aktuelle Tabelle und sein beherzter Umgang mit der Personalie Toni sollte die Konkurrenz an der Tabellenspitze aufhorchen lassen.

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