Bundesliga : Bayern sucht das Glück

Nach dem Sieg gegen Bielefeld, hat man Bayern-Manager Uli Hoeneß die Erleichterung deutlich angesehen. Trainer Jürgen Klinsmann gibt sich trotz Siegs betont nüchtern.

Christiane Mitatselis

Bielefeld - So glücklich hat man den Bayern-Manager lange nicht gesehen. Erlöst sprang Uli Hoeneß in Bielefeld am Spielfeldrand herum und umarmte seinen Trainer Jürgen Klinsmann. Beide feierten Luca Tonis Treffer zum 1:0 der Bayern bei der harmlosen Arminia am Samstagnachmittag wie ein Großereignis. In schweren Zeiten geben sich auch die Münchner mit kleinen Erfolgen zufrieden. Denn durch den dreifachen Punktgewinn behalten sie ihr einziges verbliebenes Saisonziel, die Meisterschaft, in Sichtweite.

Der Rückstand der Münchner auf Tabellenführer VfL Wolfsburg beträgt zwar weiterhin drei Punkte, Hoeneß rechnet sich trotzdem einen kleinen Vorteil aus: „Wir haben jetzt wieder ein Auswärtsspiel mehr gemacht, Wolfsburg ein Heimspiel. Insofern sind unsere Meisterchancen ein klein bisschen größer geworden.“ Generelle Entwarnung gab Hoeneß aber nicht, er denkt ansonsten nur „von Spiel zu Spiel“. In der Frage, ob Klinsmann auch in der nächsten Saison Bayern-Coach bleiben darf, will er sich weiter nicht festlegen. So bleibt die Situation für Klinsmann angespannt, was ihn sichtlich mitnimmt. Über das Bielefeld-Spiel sprach der 44-Jährige en detail gar nicht, er erwähnte lediglich die „wichtigen Punkte“, blieb ansonsten wortkarg und blass.

Noch vor ein paar Wochen hätte der überzeugte Positiv-Denker dem 1:0, einem glanzlosen Arbeitssieg, mühelos ein paar Mut machende Aspekte abgewinnen können – abgesehen von den drei Punkten . Vielleicht hätte er sogar „positive Prozesse“ erkannt, von denen er in glücklicheren Zeiten so gern sprach. Zum Beispiel diesen: Der von Klinsmann zur Nummer eins beförderte Torhüter Hans-Jörg Butt macht seine Sache gut. Sein trauriges 0:4-Debüt in Barcelona hat der ehemalige Leverkusener verkraftet, ohne in Selbstzweifel zu verfallen. In Bielefeld, in seiner vierten Partie als Bayern-Nummer-Eins, blieb er zum zweiten Mal ohne Gegentreffer und strahlte viel mehr Ruhe aus als zuvor Michael Rensing. Butts größte Tat: Er rettete die Bayern vor einem frühen Rückstand, als er nach der 15. Minute gegen den freistehenden Bielefelder Robert Tesche einen brillanten Reflex zeigte.

Etwas komplizierter, aber auch positiv, ist der Prozess, den Luca Toni durchlebt: Dem Torjäger bekommt es gar nicht gut, allein zu stürmen, ihm fehlt der verletzte Miroslav Klose. Toni sucht das, was Klinsmanns Trainer-Vorbilder in Nordamerika „Momentum“ nennen; das kleine Stück Glück, das einen Ball richtig springen oder einen Spieler den richtigen Schritt machen lässt. Das „Momentum“ will sich im Moment aber nicht mit Toni verbünden. Er tapste in Bielefeld lange Zeit glücklos im Strafraum herum. Aber er gab nicht auf und zwang das „Momentum“ herbei. So stand er in der 64. Minute nach Pass von Franck Ribéry plötzlich einmal am richtigen Ort – und traf.

Und, wer weiß, vielleicht gesellt sich das wankelmütige „Momentum“ nun wieder häufiger an die Seite des Italieners. Vielleicht schon am Samstag in der Bundesliga-Partie gegen Schalke 04, einem weiteren Spiel, das Klinsmann nicht verlieren sollte. Christiane Mitatselis

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