Bundesliga : Burgfrieden bei den Bayern

Nach einer verlorenen Saison knirscht es mächtig im Gebälk des FC Bayern München. Doch trotz aller Unruhe spielt Präsident Franz Beckenbauer das Zerwürfnis in der Führungsetage des deutschen Fußball-Rekordmeisters herunter.

München - "Ich denke, dass das Verhältnis gut ist", betonte Beckenbauer in einem Interview der Münchner "Abendzeitung". "Wir alle sitzen da in einem Boot." Nach den jüngsten Turbulenzen mahnte der Bayern-Präsident aber einen engeren Schulterschluss in der Führungsetage an: "Klar, wir sollten mal miteinander reden."

Kein einziger Titel, in der Champions League wieder einmal die Grenzen aufgezeigt bekommen und im Bundesliga-Alltag erstmals seit zehn Jahren die Teilnahme an der europäischen Königsklasse verpasst - nach einer verheerenden Saison herrscht beim einstigen Branchenprimus Katerstimmung. Für die Zukunft soll kräftig aufgerüstet werden, doch so schweigsam sich die Bayern-Chefetage bislang über prominente Neuzugänge gibt, so redselig gingen die Bosse des abgestürzten Riesen in den vergangenen Tagen in den Medien aufeinander los.

Hoeneß: "Wir werden die Einkaufspolitik jetzt ändern"

"Das irritiert nicht nur uns im Vorstand, sondern auch die Mitglieder der anderen Gremien wie Verwaltungsrat und Aufsichtsrat", rüffelte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge am Wochenende Beckenbauer für dessen wiederholt geäußerte harsche Kritik am Auftreten des Rekordmeisters. "Wer ein Problem mit mir hat, soll mit mir persönlich reden", stichelte der "Kaiser" in der "Bild"-Zeitung zurück. "Dafür hat uns der liebe Gott ja die Sprache gegeben."

Dass beim gestürzten Spitzenclub zwei Spieltage vor Saisonende nur noch die Zukunft zählt, machte erneut Uli Hoeneß am Wochenende klar. "Wir werden die Einkaufspolitik jetzt ändern und im nächsten Jahr einen anderen FC Bayern erleben", kündigte der Manager an. Beim angestrebten Neuanfang bleibt Beckenbauer weitgehend außen vor: "Die Aufteilung ist ganz klar. Der Vorstand ist für das operative Geschäft zuständig", sagte Beckenbauer und skizzierte das Stimmungsbild beim FC Bayern: "Mit Uli hab' ich öfter Kontakt, den hab' ich erst letzte Woche getroffen. Mit Kalle weniger. Aber die haben natürlich jetzt zu tun. Alle haben eingesehen, dass es mit dieser Mannschaft nicht mehr weitergeht, dass man dringend Verstärkungen braucht."

Die Dissonanzen der vergangenen Tage will Beckenbauer aber nicht überbewerten. "Dass in unserer Situation keiner der Beteiligten Hurra schreit, ist doch klar", sagte er der "Abendzeitung". "Dass Fehler gemacht worden sind, ist offensichtlich. Aber das betrifft uns ja alle." (tso/dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben