Bundesliga : Champions League: Herthas Ort der Sehnsucht

Andrej Woronin, neuerdings Herthas erfolgreichster Stürmer, will mit den Berlinern in die Champions League. Die nächste Hürde ist: Leverkusen.

Stefan Hermanns
FC Energie Cottbus - Hertha BSC Berlin
Freiwillige Bauchlandung. Andrej Woronin feiert seine Tore in Cottbus.Foto: ddp

Berlin - Ein Fachgespräch am Trainingsplatz von Hertha BSC. Zu Besuch ist eine Schulklasse, Mittelstufe. Ein Mädchen fragt: „Wer hat denn die meisten Tore geschossen?“ Der mit dem blonden Zopf. „Oh, wir dachten, das ist eine Frau.“

Die Frau heißt Andrej Woronin. Und die Frau hat nicht nur die meisten Tore für den Berliner Fußball-Bundesligisten erzielt; Andrej Woronin ist jetzt auch nominell die Nummer eins in Herthas Sturm. Bisher gebührte Marko Pantelic diese Rolle, am Samstag bei Herthas 3:1-Sieg in Cottbus aber wurde der Wachwechsel quasi offiziell vollzogen. Erst in der Schlussminute durfte Pantelic aufs Feld – als Ersatz für den dreifachen Torschützen Woronin. Einmal kam Pantelic an den Ball, genau da, wo Woronin kurz zuvor seinen Lauf zum 3:1 gestartet hatte. Der Serbe zog in die Mitte und passte zum zwei Meter entfernten Marc Stein. Drei Meter rollte der Ball am Ziel vorbei, mitten hinein in den toten Raum. „Marko wird auch noch seine Tore machen“, sagt Woronin.

Woronin fragt: "Sind wir hier im Champions-League-Finale?"

Bis auf Weiteres wird Pantelic wohl nur als Einwechselspieler treffen können. In seiner verletzungsbedingten Abwesenheit hat Woronin mit dem Brasilianer Raffael den Sturm gebildet, sieben Treffer erzielte der Ukrainer in den fünf Spielen ohne Pantelic. Auch deshalb ist der Leihspieler aus Liverpool das Gesicht zum Aufschwung geworden. Woronin ist schon am Sonntag nach dem Sieg in Cottbus zum Pressegespräch gebeten worden, drei Tage später, auf halber Strecke zum Heimspiel gegen seinen Ex-Klub Bayer Leverkusen, ist er wieder da. Das Interesse will einfach nicht abnehmen. „Sind wir im Champions-League-Finale?“, fragt Woronin, als er in die riesige Journalistenrunde blickt.

Wenn er in Liverpool geblieben wäre, wäre er jetzt zumindest auf dem Weg dahin. Tags zuvor hat er den Auftritt seiner alten Mannschaft im Fernsehen verfolgt. Beim Stand von 2:0 hat er umgeschaltet auf Juventus gegen Chelsea. Die Champions League ist immer noch ein Ort der Sehnsucht, aber jetzt nach zwei Dritteln der Saison ist es zumindest nicht mehr ausgeschlossen, dass sich Hertha und Woronin diese Sehnsucht gemeinsam erfüllen.

Vor sechs Monaten begann alles in Leverkusen - als Woronin traf

Vor ein paar Monaten noch schien das undenkbar. Ein halbes Jahr ist seit dem Hinspiel in Leverkusen vergangen. 88 Minuten drängte und drückte nur Bayer, in der 89. erzielte Woronin das 1:0 für Hertha. Der Sieg war mehr als ein Sieg – für Hertha genauso wie für Woronin. In seinem vierten Spiel für die Berliner erzielte er sein erstes Tor, und für Hertha begann an diesem Nachmittag ein Aufschwung, der die Mannschaft bis an die Tabellenspitze gebracht hat. Seit dem Spiel im Oktober hat sich alles verändert. „Wir sind auf jeden Fall stärker“, sagt Woronin. Sechs Plätze und neun Punkte sind die Berliner den Leverkusenern inzwischen voraus. Das liegt nicht nur an Woronins Toren, sondern auch an den gehobenen Ansprüchen, die der Ukrainer verkörpert.

Das wissen auch die Kollegen. Ob er etwas zu Woronin sagen könne, wird Patrick Ebert, der Mittelfeldspieler mit den raspelkurzen Haaren, gebeten. „Schöne Frisur“, sagt er.

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