Bundesliga : Cottbus muss nachsitzen

Energie wirft Trainer Petrik Sander raus – und hat keinen Nachfolger. Die Fans sind empört.

Sandra Dassler[Cottbus]
Sander
Letzter Arbeitstag. Petrik Sander wird abgelöst - vorerst soll Co-Trainer Thomas Hoßmang auf seinem Stuhl Platz nehmen. -Foto: ddp

„FCE-Inge“ steht vor dem Stadion der Freundschaft. „Es ist eine Riesensauerei, was der Verein mit Petrik Sander macht“, schimpft der Fan in der Sonntagssonne. „FCE-Inge“ heißt eigentlich Ingolf Otto, ist 50 Jahre alt, selbstständig und fast sein ganzes Leben lang Fan des FC Energie Cottbus. Er trägt eine Frauenperücke in den rot-weißen Vereinsfarben, auf seiner Stirn steht in fetten Lettern „SANDER“. Die Plakate, die er am Sonnabend nicht mit ins Stadion nehmen durfte, lehnen nun an einem Kassenhäuschen. „Geld schießt keine Tore“ steht darauf und: „Lepsch und Heidrich ab in die Wüste“. Ulrich Lepsch, der Präsident des FC Energie, und Steffen Heidrich, sein Manager, geben währenddessen eine Pressekonferenz, auf der sie verkünden, dass sich der Verein mit sofortiger Wirkung von Trainer Petrik Sander trennt.

„Ausschließlich sportliche Gründe“ seien ausschlaggebend für diese Entscheidung, betont Lepsch immer wieder. „Nachdem wir durch die Heimniederlage gegen Wolfsburg auf den letzten Tabellenplatz abgerutscht sind, bleibt uns keine andere Wahl.“ Dem Präsidenten ist die Anspannung trotz der wohlgeformten Sätze anzusehen. Schließlich war in den vergangenen Wochen das zerrüttete Verhältnis zwischen ihm und Sander als Ursache für den nun vollzogenen Trainerrausschmiss diskutiert worden. Außerdem hatten tausende Fans beim letzten Spiel von Petrik Sander lautstark verkündet, dass es für sie durchaus eine Alternative gab: „Vorstand raus“, tönte es dem von Bodyguards begleiteten Lepsch entgegen.

Sanders Nachfolge soll kommissarisch Kotrainer Thomas Hoßmang übernehmen. Der habe das aus Loyalität zu Sander erst abgelehnt, aber er sei nun mal Angestellter des Vereins, sagt Lepsch. „Außerdem suchen wir mit der gebotenen Dringlichkeit nach einem neuen Trainer, der in unsere Philosophie passt.“ Lepsch und Heidrich nennen keine Namen, schließen aber nicht aus, dass der Neue schon am Mittwoch beim Spiel in München auf der Bank sitzen könnte. Ob der Neue auf den Namen Falko Götz hört oder, wie andere kolportieren, ein ehemaliger deutscher Nationalspieler sei? Kein Kommentar.

Im Stadion absolvieren die Energie- Profis sichtlich lustlos ihre sonntägliche Trainingseinheit. Nachdem durchgesickert ist, dass Sander im Vereinsgebäude seine Sachen packt, versammeln sich immer mehr Menschen vor dem Eingang. „Die haben seine besten Spieler verkauft, das Herz der Mannschaft, und nun schmeißen sie ihn nach sechs Spieltagen raus – das ist ungerecht“, sagt Ursula Harnath. Die 59-jährige Cottbuserin hat verweinte Augen.

Präsident Ulrich Lepsch, der den Verein vor zwei Jahren übernommen und in die schwarzen Zahlen geführt hat, weist hingegen darauf hin, dass für ihn in erster Linie spielerischer Erfolg und finanzielle Solidität zählt. „Das ziemlich eindeutige Votum der Zuschauer gegen den Rausschmiss hat mich überrascht“, sagt er. Aber so eine Situation habe es vor knapp drei Jahren beim Rausschmiss des in Cottbus legendären Eduard Geyer auch gegeben. Das könne man nicht vergleichen, sagen hingegen die Fans. Geyer habe einfach keinen Rückhalt mehr in der Mannschaft gehabt, und bei den Spielen hätten viele Zuschauer „Geyer raus“ gefordert.

Nur in einem waren sich Vorstand und Fans gestern einig: Das ist kein schöner Tag für Cottbus, hieß es drinnen und draußen unisono.

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