Bundesliga : Cottbus stürzt ins Chaos

Märchenhafte Karrieresprünge: Ko-Trainer Thomas Hoßmang wirft hin, nun trainiert Heiko Weber die Cottbuser, der bislang die Amateure betreut hat.

Mario Luisen[Cottbus]
Cottbus
Protest: Viele Cottbuser Fans halten Ex-Trainer Sander die Treue. -Foto: ddp

Heiko Weber darf sich in diesen Tagen fühlen wie ein Stabhochspringer, der 4,80 Meter auslässt, um anschließend die Weltklassehöhe von sechs Metern in Angriff zu nehmen. Der Fußballtrainer steht mit der Amateurmannschaft von Energie Cottbus auf dem letzten Tabellenplatz der Regionalliga Nord. Das junge Team hat noch kein Spiel gewonnen und seit sieben Partien kein Tor mehr geschossen. Kurzum: 630 Minuten geballte Erfolglosigkeit. Gern hätte der 42-jährige Weber, der seit Sommer in der Lausitz arbeitet, diese trostlose Bilanz am Mittwoch im Regionalliga-Heimspiel gegen den SV Babelsberg 03 verbessert. Aber dazu wird es nicht kommen. Denn Weber wird zur gleichen Zeit auf der Trainerbank in der Münchner Allianz-Arena sitzen. Wenn die Profis von Energie Cottbus gegen den FC Bayern in der Ersten Bundesliga spielen.

Solche märchenhaften Karrieresprünge sind im Moment nur in Cottbus möglich, wo die Vereinsführung nach der Beurlaubung von Petrik Sander fieberhaft einen neuen Cheftrainer sucht. „Wir wollen den neuen Mann so schnell wie möglich präsentieren“, sagt Energie-Manager Steffen Heidrich seit Samstag immer wieder. Aber die Suche gestaltet sich schwieriger als bisher angenommen. Mehr als die üblichen Verdächtigen wie Klaus Augenthaler oder Wolfgang Wolf gibt Trainerbörse nicht her. Gehandelt wird inzwischen auch der Ex-Herthaner Karsten Heine.

Klar ist seit zumindest, dass sich das Bundesliga-Schlusslicht im Grunde genommen einen komplett neuen Trainerstab suchen muss. Denn neben dem beurlaubten Sander haben der bisherige Kotrainer Thomas Hoßmang und Torwart-Coach Thomas Köhler von sich aus um ihre Freistellung gebeten. „Aus emotionalen Gründen“, wie beide betonen. Es ist kein Geheimnis, dass sie ein besonderes Vertrauensverhältnis zu Sander hatten. Und deshalb wollten weder Hoßmang noch Köhler die Nachlassverwalter ihres beurlaubten Chefs spielen, auch nicht als Übergangslösung. „Es war eine sehr unangenehme Situation für mich“, beschreibt Hoßmang das Auslaufen am Sonntag, das er auf Druck der Vereinsführung leiten musste. Wenige Stunden später suchte Hoßmang noch einmal das Gespräch mit Präsident Ulrich Lepsch und bekräftigte, dass er sich nicht in der Lage fühle, die Mannschaft auf das Spiel in München vorzubereiten.

Damit geht in Cottbus nach drei Jahren die Ära Sander endgültig zu Ende. Die Spieler merkten es gestern Vormittag beim Training daran, dass Heiko Weber ein Kontrastprogramm zum eher knorrigen Sander auflegte. Weber redete laut und oft auf dem Rasen, und hielt eine flammende Ansprache. „Wenn ihr in der Ersten Bundesliga spielen wollt – dann zeigt es. Ich sehe hier 18 Topleute vor mir sitzen, das wird ja wohl reichen“, sagte der Interimstrainer.

Dabei weiß er wohl, dass die aussichtslose Partie beim FC Bayern eher der Vorbereitung auf das Heimspiel am Sonntag gegen Eintracht Frankfurt dient. Cottbus hat schon jetzt vier Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz und ein katastrophales Torverhältnis. Ob Weber gegen Frankfurt noch auf der Bank sitzen wird? „Ich weiß es nicht“, sagt er, „wenn ich gefragt werde, ob ich helfen kann, dann helfe ich natürlich.“ Ansonsten kann er die Latte wieder auf 4,80 Meter legen. Und mit den Amateuren am Samstag bei Rot-Weiß Erfurt antreten.

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