Sport : Bundesliga: Das Ende der großen Sprünge

Klaus Rocca

Bei den Spielern von Hertha BSC ist die drohende Kirch-Pleite seit geraumer Zeit ein Thema. Ohne das Geld des Medienunternehmers könnte es für die Profifußballer Gehaltseinbußen geben. Stefan Beinlich, einer der bestverdienenden Spieler beim Berliner Bundesligisten: "Wir reden nicht nur über Geld und Autos, aber eben auch über Geld. Die jetzige Situation sorgt schon für Unruhe." Beinlichs Vertrag bei Hertha läuft noch bis Ende der nächsten Saison. Bis dahin sind seine Bezüge vertraglich geregelt. Bei einer Vertragsverlängerung würde Beinlich "über Einbußen mit sich reden lassen". Beinlich: "Die Gehaltsspirale ist doch längst überdreht. So kann es nicht weitergehen."

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Hintergrund: TV-Gelder - Existenzgrundlage der Fußball-Clubs
Auf das Entgegenkommen der Kicker wollen sich Funktionäre und Politiker offenbar nicht verlassen. Das beweisen die Verhandlungen über eine staatliche Bürgschaft, mit der die 36 Profiklubs der Ersten und Zweiten Bundesliga in die Lage versetzt werden, ein halbes Jahr nach einer möglichen Insolvenz von Kirch liquide zu bleiben. Steuergeld für Fußballmillionäre? Das brachte einige Funktionäre in Erklärungsnot: "Es geht nicht um Steuergelder, auch nicht um Zuschüsse. Es geht um Bürgschaften", sagt Werner Hackmann, Präsident der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Der Vorsitzende der DFL-Geschäftsführung, Wilfried Straub, fügt hinzu: "Es geht um die Garantie von Krediten, die selbstverständlich zurückbezahlt werden, falls die Liga die Kredite überhaupt nötig haben sollte."

Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß sieht das anders. Grundsätzlich hält er "Gelder aus dem Steuerbereich für fragwürdig". Für ihn steht fest, dass bei einer Kirch-Pleite "die öffentlich-rechtlichen Sender einspringen müssen". Hoeneß war zuvor schon so weit gegangen, eine Gebührenerhöhung zur Finanzierung des Bundesliga-Fußballs zu fordern. Der ARD-Vorsitzende Fritz Pleitgen hat sich zu einem Rückerwerb der Bundesliga allerdings wiederholt sehr zurückhaltend geäußert.

Der TV-Vertrag der DFL mit Kirch war am 1. Juli 2000 für vier Jahre bis zum 30. Juni 2004 abgeschlossen worden. Für die laufende Saison sind den Klubs 357,9 Millionen Euro an Fernsehgeldern vertraglich zugesagt worden, für die nächste 360,5 und für die übernächste 460,2 Millionen Euro. Bei der Verteilung an die Vereine wird nach Leistungskriterien und dem Tabellenstand entschieden. Jeder Zweitligist erhält durchschnittlich fast vier Millionen Euro. Sollte Kirch seinen Verpflichtungen gegenüber den Klubs nicht mehr oder nur noch bedingt nachkommen können, droht einigen von ihnen, besonders aus der Zweiten Liga, der Konkurs. Rechtsanwalt Christoph Schickhardt (Ludwigsburg), der bei mehreren Vereinen an den Anträgen für die Lizenzerteilung mitbeteiligt ist und deshalb einen guten Einblick in die Finanzen hat, erklärte dazu: "Einem halben Dutzend Erstligisten droht das Aus. Von der Zweiten Liga ganz zu schweigen." Viele Vereine müssten möglicherweise auch auf die Kautionen zurückgreifen, die bei der DFL hinterlegt sind. In diesem Topf befinden sich rund 35 Millionen Euro.

Bereits jetzt wird bei den Klubs davon ausgegangen, dass in den kommenden Jahren die jetzigen Gehälter der Fußballprofis nicht mehr aufrechterhalten werden können. Bayerns Uli Hoeneß sprach bereits von einem Rückgang der Gehälter um bis zu dreißig Prozent.

Großklubs wie Bayern München, Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund dürften erhebliche finanzielle Einbußen am ehesten verkraften. Bei Hertha BSC gab man sich gestern noch gelassen. "Wir gehen von bestehenden Verträgen mit Kirch aus und die Spieler von bestehenden Verträgen mit dem Verein", kommentierte Geschäftsführer Ingo Schiller. "Aber selbst wenn Kirch wirklich Insolvenz anmelden müsste, wären ja noch Gelder vorhanden, die es zu verteilen gäbe." Sollten die Gelder allerdings wider Erwarten völlig ausbleiben, seien sie "durch andere Einnahmen nicht aufzufangen", fügte Schiller hinzu.

In der Saison 2000/2001 kassierte Hertha insgesamt 22 Millionen Euro an Fernsehgeldern. Dabei waren allerdings auch die Einnahmen aus Fernsehübertragungen der Uefa-Pokal-Spiele. In der Bundesliga flossen TV-Gelder von rund 15 Millionen Euro, was 35 Prozent des Etats der betreffenden Saison ausmachte. Zum Vergleich: Eintrittsgelder schlagen lediglich mit 17 Prozent zu Buche. Den Gesamteinnahmen in der Saison 2000/2001 von umgerechnet rund 53 Millionen Euro standen Ausgaben für Löhne und Gehälter im Profibereich von rund 25 Millionen Euro gegenüber. Beim Zweitligisten 1. FC Union wird nach Angaben von Präsident Heiner Bertram der Etat durch die Fernsehgelder "zu fast 50 Prozent abgedeckt".

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