Bundesliga : Den Zauber eingrenzen

Unbequeme Taktik: Hamburg hat der Bundesliga gezeigt, wie den Bayern-Stars beizukommen ist. Dabei waren die Mittel alles andere als spektakulär.

Karsten Doneck[Hamburg]
Bayern
Der erste Gegentreffer für Bayern-Keeper Oliver Kahn in dieser Saison. -Foto: dpa

Nigel de Jong wollte sich so gar nicht freuen. Da hatte zwar seine Mannschaft, der Hamburger SV, kurz vor dem Abpfiff durch Mohamed Zidan noch das 1:1 gegen Bayern München geschafft, doch de Jong gefiel das Unentschieden nicht. „Ein bisschen enttäuscht bin ich schon, dass wir nicht gewonnen haben“, maulte der Holländer, der als zäher Abräumer vor der Abwehr ein tadelloses Spiel abgeliefert hatte. Dabei eilte dem FC Bayern doch vor der Reise nach Hamburg der Ruf voraus, in dieser Saison eine Mannschaft zu haben, die erheblich über dem gewöhnlichen Bundesliga-Niveau zu schweben schien. Die Investitionen der Münchner von mehr als 70 Millionen Euro für neue Spieler fanden schließlich auch ihren Ausdruck in drei Siegen aus den ersten drei Spielen – bei einem Torverhältnis von 10:0.

Die vermeintlichen Überflieger bekamen in Hamburg allerdings wieder etwas mehr Bodenhaftung. „Wir waren das bessere Team über weite Strecken“, sagte Zidan nach seinem ersten Saisontor. Und auch Bayern Münchens Torwart Oliver Kahn bekannte: „Wir waren nicht zwingend genug.“ Dass Ribéry und Co. diesmal nicht – wie etwa bei ihrem fulminanten 4:0-Sieg bei Werder Bremen – ihre Spielkunst offenbarten, lag an der unbequemen Taktik des HSV. Die Hamburger führten der Bundesliga vor, wie den Bayern in dieser Saison beizukommen ist.

Die Mittel sind alles andere als spektakulär. Mit vier Abwehrspielern und zwei zähen Kämpfern davor (David Jarolim, Nigel de Jong) hielt der HSV den Gegner die meiste Zeit vom eigenem Strafraum fern. Hochkonzentriert und ausgestattet mit einem zähen Balleroberungswillen suchte jeder Hamburger Verteidiger immer wieder die Zweikämpfe. So gewann beispielsweise Innenverteidiger Bastian Reinhardt 72 Prozent seiner Zweikämpfe. Dass Reinhardt am 0:1 durch Miroslav Klose kräftig Mitschuld trug, schmälert diesen Wert etwas. Aber insgesamt hielt der HSV die Fehlerquote niedrig, jeder gewonnene Zweikampf stärkte das Selbstvertrauen. Versagte dann doch mal ein Hamburger, sprang sofort der nächste helfend ein. Es war ein funktionierendes Teamwork.

„Der HSV hat uns das Leben schwer gemacht, wir konnten unser Spiel nicht entfalten“, gab Bayerns Trainer Ottmar Hitzfeld zu. Auch offensiv setzte der HSV die klareren Akzente. Nur weil Romeo Castelens Antrittsschnelligkeit auf der rechten Seite noch nicht richtig harmoniert mit seiner Abspielgenauigkeit, blieb den Münchnern großer Kummer erspart. Auch Ivica Olic betreibt über links ein sehr laufintensives Spiel, übt Druck auf den Gegner aus. Weil der HSV bei gegnerischem Ballbesitz die Räume sofort zuzog, zwang er die Bayern zu Fehlpässen. „Zu viele Ballverluste im Mittelfeld“, beklagte Hitzfeld.

Die Bayern haben in Hamburg Grenzen aufgezeigt bekommen. Am 15. September im nächsten Punktspiel empfangen sie den FC Schalke 04. Im Hamburger Stadion schaute auch Schalkes Trainer Mirko Slomka zu. Seine Elf versucht, mit Tempofußball die Gegner zu überrennen. Der HSV setzt mehr auf ruhigen, geordneten Spielaufbau, auf Disziplin. Welcher Stil liegt den Bayern wohl mehr?

Bei Nigel de Jong reifte jedenfalls schon die Erkenntnis: „Die Bayern haben eine sehr gute Mannschaft, aber wir können mithalten.“ Der Respekt vor den Überfliegern sinkt – zumindest in Hamburg.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben