Bundesliga : Die Dynamik der Wut beim 1. FC Köln

Kölns Fans planen einen Protest gegen den Vorstand. Die Kölner Rebellion richtet sich gegen die gesamte Führung, also auch den Präsidenten Wolfgang Overath.

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Wolfgang Overath.
Wolfgang Overath.Foto: dapd

Köln - User „GeißenPeter“ hat nur eine Sorge, wenn er an das nächste Spiel des 1. FC Köln denkt. „Ich hoffe, der Sonntag wird als Tag der friedlichen Revolution in die Vereinsgeschichte eingehen. Hoffentlich klaut uns nicht Christoph Daum noch kurzfristig die Show, wenn er sich im Mittelkreis scheiden lässt“, schreibt er im Internet-Fanforum des FC. Die Partie gegen den VfL Wolfsburg wird aber wohl auch ohne das Zutun des Kölner Ex-Trainers in jedem Fall eine historische Note hinterlassen. Der Kölner Anhang will unmittelbar vor der Partie einen stillen Protest gegen die Verantwortlichen initiieren.

Als Symbol für ihre kollektive Unzufriedenheit sollen die Stadionbesucher ihre „Nein“-Karte in die Höhe recken, mit der 1317 Mitglieder bei der Mitgliederversammlung in der Vorwoche gegen die Entlastung des Vorstands gestimmt hatten und dieses Ziel auch erreichten. Praktischerweise wird die Karte nun per Download im Netz angeboten. Die Begründung für die Verweigerungshaltung liefert Initiator Thomas Kühl: „Durch diese Aktion können wir den Unmut über das peinliche Auftreten unseres Vorstands öffentlich kundtun. Das Nein ist ein Symbol, dass wir nicht länger alles mit uns machen lassen.“ Seit Tagen halten Fans am Geißbockheim Mahnwachen und stellen Grabkerzen auf.

Es geht mittlerweile nicht mehr nur um die nahezu von allen Seiten geforderte Ablösung des glücklosen Managers Michael Meier. Die Kölner Rebellion richtet sich gegen die gesamte Führung. Die Sympathisanten des Klubs sind es endgültig leid, die sportliche Stagnation weiterhin ertragen zu müssen. Verantwortlich machen sie dafür auch ihren Präsidenten Wolfgang Overath, der am vergangenen Mittwoch nach einer Besprechung mit den Kölner Profis laut einer Pressemitteilung entschied, „im Sinne der Mannschaft die Diskussionen zu vertagen“. Demnach wird Meier erst einmal weiterarbeiten.

Die Entscheidung Overaths dürfte bei den meisten Fans auf großes Unverständnis gestoßen sein. Sie wollen, dass sich Köln vollständig wandelt – erst einmal allerdings bleibt aber alles beim Alten. Wie genau die grundsätzliche Veränderung des Klubs aussehen soll, darüber gibt es keine klare Meinung. Auch konkrete personelle Alternativen sind zunächst nicht in Sicht. Derzeit bestimmt die anhaltende Wut die Dynamik. Daran könnte wohl nicht einmal Christoph Daum etwas ändern.

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