Bundesliga : Die gute Rezession

Während die internationale Finanzkrise speziell in England und Spanien einige Vereine an den Rand des Ruins getrieben hat, sind die Indikatoren für die Bundesliga stabil bis steigend. Warum die Bundesliga von der Krise profitiert.

Michael Rosentritt

KölnRainer Bonhof ist ein gutes Beispiel. Ende des Jahres machte der Fußballweltmeister von 1974 persönlich Bekanntschaft mit der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise. Bonhof verlor seinen Job, teilte sein Schicksal aber mit gut einem Dutzend anderer Angestellter, die für den FC Chelsea europaweit nach Fußballtalenten suchten. Chelsea muss sparen, weil Mäzen Roman Abramowitsch den Großteil seines Milliardenvermögens verloren hat und vom Klub von Michael Ballack noch 870 Millionen Euro an Krediten ausstehen hat. Seit Dienstagabend hat immerhin Rainer Bonhof ein neues Betätigungsfeld. Der Aufsichtsrat von Borussia Mönchengladbach berief ihn ins Präsidium.

Das Schicksal von Bonhof steht beinahe sinnbildlich für eine sich abzeichnende Kräfteverschiebung innerhalb des europäischen Fußballmarktes. „Streng genommen konnte der Bundesliga nichts Besseres passieren als die Krise“, sagt Hartmut Zastrow dem Tagesspiegel. Zastrow ist Vorstand des Kölner Marktforschungs-Instituts „Sport und Markt“. Den aktuellen Untersuchungen zufolge gewinnt die Bundesliga im internationalen Vergleich gerade Marktanteile zurück. Während die internationale Finanzkrise speziell in England und Spanien einige Vereine an den Rand des Ruins getrieben hat, seien die Indikatoren für die Bundesliga stabil bis steigend, sagt Zastrow: „Für die Bundesliga liegt in der Krise die Chance, den Abstand nach oben zu verkleinern. Die Struktur im deutschen Fußball stimmt.“ Als Beispiel nennt Zastrow die Situation auf dem Spielermarkt. Bereits die Transferperiode im Winter hätte gezeigt, dass es international immer weniger solvente Vereine gebe. So werden Profis der gehobenen Mittelklasse künftig eher in der Bundesliga zu sehen sein. „Für diese Spieler wird der deutsche Markt wieder interessant, weil hier pünktlich Gehalt gezahlt wird“, sagt der Marktforscher.

„Die Bundesliga ist das Zukunftsmodell für den Fußball in Europa, weil die seriöse Finanzierung unserer Vereine ein langfristiger Wettbewerbsvorteil ist“, sagt Josef Schnusenberg. Schalkes Vorstandsvorsitzender spricht sich vehement für die Beibehaltung der sogenannten 50+1-Regelung aus und bezieht damit Stellung gegen Mehrheitsbeteiligungen fremder Investoren im deutschen Fußball. „Die weltweite Finanzkrise offenbart, dass die unüberschaubaren Finanzierungsinstrumente sehr gefährlich sind.“ In dem Maße, wie die Rezession in die Geschäfte der Investoren eingreife, würden sie sich künftig in ihren Vereinen finanziell zurückhalten.

Allerdings generiert die englische Premier League aus der Fernsehvermarktung mehr Geld als die Bundesliga. Dank des Pay-TV-Anbieters British Sky Broadcasting (BSkyB) kann der englische Fußballverband ab 2010 einmal mehr eine Rekordsumme unter den 20 Klubs der Premier League verteilen: 676 Millionen Euro im Jahr. Der deutsche Pay-TV-Sender Premiere zahlt in den nächsten Jahren zwischen 225 und 250 Millionen Euro jährlich für beide Bundesligen.

„Fußball ist ein wertvolles Recht, weil es vielen Menschen weltweit sehr viel bedeutet“, sagt Günter Netzer von der Sportrechte-Agentur Infront. Auch Netzer hält das englische System im Vergleich zur Bundesliga für anfälliger. Die Bundesliga könne es nur dann treffen, wenn die Krise länger andauere „und Sponsoren gezwungen sind, ihre Aktivitäten einzustellen“, sagt Netzer. Danach sehe es für deutsche Spitzenvereine momentan nicht aus. Wenn überhaupt, würden sich nur kleinere Bundesligaklubs in einem schwierigen Umfeld bewegen, meint Zastrow. Bei Energie Cottbus und Borussia Mönchengladbach laufen am Saisonende die Verträge mit dem jeweiligen Trikotsponsor aus, die nicht verlängert werden.

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