Sport : Bundesliga: Die neue Kultur der alten Linken

Robert Ide

In den vergangenen Jahren ist viel geschrieben worden über die Veränderung der Grünen. Die Partei, einst aus der linken Protestbewegung gegen Krieg und Umweltverschmutzung entstanden und dann mit den ostdeutschen Bürgerrechtlern vereinigt, hat schon viele Mutationen durchgemacht auf ihrem Weg zur Regierungsfähigkeit. Zugeständnisse an Volkes Stimme in der Umweltpolitik, Bekenntnisse zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr, Sparen und effektives Wirtschaften im Finanzbereich. Fehlt eigentlich nur noch eines: der Sport.

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Dieses Thema scheint vielleicht auf den ersten Blick nicht so wichtig. Ist es aber. Sonst hätten die Grünen den Sport nicht in das Grundsatzprogramm ihrer Partei aufgenommen. Zum ersten Mal überhaupt. Eingeordnet im Kapitel "Kultur und Demokratie".

Nach Informationen des Tagesspiegel bekennen sich die Grünen nun zur staatlichen Unterstützung des Sports. "Die umfassende Sportförderung ist von großer Bedeutung", heißt es im Programm. Begründung: Sport beuge Krankheiten vor und fördere das soziale Bewusstsein. Plattitüden? Keineswegs. Denn bisher war gerade im grünen Milieu insbesondere der Leistungssport verpönt. Sportpolitik war bei der Bundestagstagsfraktion der Bündnisgrünen lange Jahre ein unbestelltes Feld. Nun aber formuliert die Partei grundsätzliche Eckpunkte einer neuen Sportpolitik. Diese soll auf zwei Bedingungen beruhen: Ökologie und Fairness. Die Grünen fordern den Bau umwelterträglicher Sportstätten und einen dopingfreien Sport. Denn: "Die Gesundheit der Sportler muss im Vordergrund stehen."

Bemerkt hat all diese Veränderungen allerdings bis jetzt niemand. Denn das Grundsatzprogramm der Grünen wurde bereits am 17. März in Berlin verabschiedet. Die Passagen über den Sport sind erst nachträglich eingefügt worden. Dazu bedurfte es jedoch zäher Verhandlungen des grünen Sportpolitikers im Bundestag, Winfried Hermann, sowie seiner Parteikollegen aus den Ländern. Ganz leicht fällt es eben nicht, seine Grundsätze zu reformieren.

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