Bundesliga : Ende der Ruhezeit

Beim FC Bayern wächst nach dem 0:1 gegen Schalke der Verdruss und die Kritik an Trainer Klinsmann.

Sebastian Krass[München]
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Schalke hebt ab. Torschütze Halil Altintop (rechts) und Kevin Kuranyi feiern im Münchner Strafraum. Foto: dpa

Ein Fernsehreporter versuchte wirklich alles. Die Tür hinter Uli Hoeneß war schon zu. Der Reporter bewegte den Ordner, sie noch einmal zu öffnen. Doch alle Bettelei um wenigstens ein Hoeneß-Sätzchen war vergebens. „Keine Chance“, war das Einzige, was der Manager des FC Bayern sich entlocken ließ. Kein Wort zum Spiel, kein Wort zur Zukunft des Trainers. Rot ist ja die Grundfarbe seiner Gesichtshaut. Diesmal aber sah Hoeneß aus, als habe sein Blutdruck vierstellige Werte erreicht. Eine gute halbe Stunde zuvor hatte der FC Bayern das Heimspiel gegen den FC Schalke 0:1 (0:1) verloren. Nach zuletzt zwei Siegen hintereinander muss der Rekordmeister nun wieder akut um den letzten noch möglichen Titel, die deutsche Meisterschaft, fürchten.

„Sollte Wolfsburg am Sonntag gewinnen in Cottbus, schaut es schlecht aus“, sagte Trainer Jürgen Klinsmann. Vereinspräsident Franz Beckenbauer ging noch einen Schritt weiter: „Dann kann man Wolfsburg zur Meisterschaft gratulieren.“ Er hat sich mittlerweile mit diesem Gedanken angefreundet. „Es muss nicht unbedingt die Meisterschaft sein, es wäre schmerzlich, das ist klar. Aber wenn es nicht geht, dann bin ich auch mit dem zweiten Platz zufrieden. Der berechtigt ja auch zur Teilnahme in der Champions League.“ Das nächste Spiel aber, zu Hause gegen Mönchengladbach, müsse der FC Bayern schon gewinnen. „Sonst wird es auch für Jürgen Klinsmann eng.“ Nach Hoeneß’ Nicht-Auftritt war allerdings nicht auszuschließen, dass es schon vorher sehr eng werden könnte für Klinsmann.

In den ersten 20 Minuten des Spiels konnte man das Ende, das der Nachmittag schließlich nahm, nicht vorhersehen. Den dominierenden Gastgebern gelangen einige hübsch anzusehende, allerdings folgenlose Angriffsansätze. Von Schalke war nichts zu sehen. „Und dann kam dieser Eckball aus heiterem Himmel“, klagte Klinsmann später. Christian Pander schlug ihn in den Strafraum, und Halil Altintop setzte die Kugel so unvermittelt wie unbedrängt per Kopf zum 1:0 ins Tor. Danach verloren die Bayern den Faden. Ihr Spiel zerfiel in Einzelaktionen, während Schalke konsequent die Führung verteidigte. Kurz vor der Pause wäre dennoch fast der Ausgleich gefallen. Doch der Freistoß von José Ernesto Sosa knallte an die Latte. Gut 60 Sekunden später entstand die nächste Aufregung. Schalkes Jermaine Jones und Bayerns Mark van Bommel lieferten sich ein Laufduell. Jones schlug mit dem Arm nach hinten aus, traf van Bommel ins Gesicht. Doch Schiedsrichter Herbert Fandel beließ es bei einer Gelben Karte, vorerst.

Auch nach der Pause wurde Bayern nicht gefährlicher. Dafür hatten die Gäste noch zwei brisante Torchancen, durch Kuranyi und Sanchez. Für Schalkes Jones war der Arbeitstag kurz darauf beendet. Nahe dem eigenen Strafraum holte er erneut van Bommel von den Beinen, diesmal per Grätsche. Fandel zeigte Jones Gelb-Rot. Doch die numerische Überlegenheit der Bayern dauerte nicht lang. Fast an selber Stelle wie zuvor Jones grätschte nun Franck Ribéry Jefferson Farfan um. Sechs Minuten nach dem Schalker sah Ribéry ebenfalls Gelb-Rot. Eine gute Chance zum Ausgleich hatten die Bayern trotzdem noch: In der 88. Minute flankte Zé Roberto den Ball endlich einmal scharf. Er traf zwar keinen Mitspieler, dafür Orlando Engelaar, der um ein Haar ein Eigentor erzielt hätte. Doch den Bayern fehlte an diesem Tag auch das Glück.

Wie der blanke Hohn wirkte Manuel Neuers Jubel nach dem Schlusspfiff. Der Schalker Torwart rannte zur Eckfahne, riss sie aus dem Boden, ließ sich auf den Rücken fallen und reckte die Stange in die Höhe. Er äffte damit eine der schönsten Erinnerungen aller Bayernfans nach: den Jubel von Oliver Kahn nach dem nicht mehr für möglich gehaltenen Titelgewinn am Ende der Saison 2000/01. Schließlich waren damals die Schalker die Geschädigten, die schon verfrüht die Meisterschaft gefeiert hatten. Am Samstag nahm Neuer süße Revanche.

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