Bundesliga : Es flutscht doch noch

Der FC Bayern vergibt gegen Mainz zunächst Chance auf Chance, gewinnt am Ende aber souverän 3:0

Thomas Becker[München]
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Weiß-rote Pracht. Die Spieler des FC Bayern hatten gegen Mainz mehr Probleme mit der Witterung als mit dem Gegner. Foto: ddpddp

In der Münchner Arena entledigte sich Bayern-Angreifer Thomas Müller nach zehn Minuten seiner Handschuhe, Heinz Müller, Torwart von Mainz 05, behielt seine lieber an – was eine gute Idee war. Angriff auf Angriff brandete auf seine Fäuste, ein Kopfball von Ivica Olic, zwei kernige Fernschüsse von Bastian Schweinsteiger, noch ein Olic-Kopfball, zwei fast identische Linksschüsse von Arjen Robben, wieder ein Kopfball von Olic und auch noch ein Drehschuss des Kroaten – in den ersten 20 Minuten hatten die Münchner Chance um Chance. Treffer erzielten die zu jeder Zeit überlegenen Gastgeber allerdings erst in der zweiten Halbzeit, der 3:0 (0:0)-Sieg war deswegen nicht weniger verdient. Damit übernahmen die Münchner wieder einmal die Tabellenführung, die sich Bayer Leverkusen heute aber wieder zurückholen kann.

In der Anfangsphase schüttelte Thomas Tuchel, der Mainzer Trainer, ein ums andere Mal den Kopf oder fuchtelte wild mit den Armen – ohne Wirkung. Die hilflosen Mainzer kamen gegen druckvolle Münchner kaum einmal über die Mittellinie. Der bemitleidenswerte Bayern-Torwart Hans-Jörg Butt stand im einsetzenden Schneetreiben fast ganz allein in seiner Spielhälfte. Nach einer halben Stunde bekam er dann endlich etwas zu tun: Thomas Müller war im Strafraum über ein Mainzer Bein gefallen, Schiedsrichter Babak Rafati deutete sofort auf den Punkt, und schon kam Butt herangetrabt. Doch anders als beim grandiosen 4:1 bei Juventus Turin scheiterte Butt diesmal für seine Verhältnisse recht kläglich: Seinen unplatzierten Strafstoß konnte Heinz Müller parieren. Beim Spielstand von 0:0 und mit einem Chancenverhältnis von 21:1 ging die erste Hälfte zu Ende.

In der Pause lief sich Franck Ribéry warm. Und da das Bayern-Spiel im Schnee zu erstarren drohte, schickte ihn Trainer Louis van Gaal schon in der 58. Minute für Olic ins Geschehen. Sekunden zuvor hatte Daniel van Buyten die Führung für den FC Bayern erzielt: Ein Kopfball des Belgiers war dem Mainzer Torwart durch Arme und Beine und zum 1:0 ins Tor geflutscht. In der 75. Minute erhöhte Mario Gomez per Flachschuss nach präziser Vorarbeit von Philipp Lahm auf 2:0. Fünf Minuten vor dem Abpfiff war es dem erneut starken Arjen Robben vergönnt, den Endstand herzustellen. Wie am vergangenen Wochenende in Bremen verwandelte der Niederländer einen Freistoß. Der anschließende Jubel mit van Gaal fiel weniger chaotisch aus als gegen Werder, als der Coach vor dem anstürmenden Robben zu Boden gegangen war. Danach hatte sich van Gaal humpelnd durch die Woche geschleppt. „Der Oberschenkel schmerzt“, erklärte er. „Ich bin ein alter Mann geworden, scheinbar. Künftig werde ich nicht mehr so explosiv jubeln, hoffe ich.“

Gegen Mainz blieb der Trainer stehen. Die Partie war so einseitig, dass überschwängliche Gefühlsausbrüche ohnehin nicht angebracht gewesen wären. Stattdessen konnte van Gaal nachher entspannt behaupten: „Das war unser bestes Heimspiel. Ich bin sehr zufrieden, ich habe sehr schöne Tore gesehen und ein sehr gutes Bayern München.“

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