Bundesliga : FC Bayern unter Zugzwang

Nach dem Schock des Rücktritts von Sebastian Deisler gerät der FC Bayern München beim Umbau seines Kaders immer stärker unter Druck. Franz Beckenbauer schreibt Deisler allerdings nicht ab.

München - "Es ist nicht so, dass wir sorgenfrei sind", räumte Manager Uli Hoeneß angesichts der ambitionierten Zukunftspläne des deutschen Rekordmeisters ein. "Wir müssen langsam aufpassen mit unserem Kader". Vor allem die Lücke im Mittelfeld, in dem der Weggang von Michael Ballack noch nicht verkraftet wurde, droht sich nach den jüngsten Nackenschlägen auszuweiten.

Mit seiner einsamen Entscheidung hatte Deisler die Bayern-Oberen kalt erwischt. "Jetzt muss ich mich erst einmal erholen", war Hoeneß fast sprachlos. Panikkäufe, die bei praller Kriegskasse finanziell möglich wären, schloss Hoeneß aber aus. "Wir werden jetzt sicherlich keine Schnellschüsse machen", sagte der Manager. Die Planungen für den weiteren Umbau des Kaders müssten "in Ruhe" bis zur Sommerpause vorangetrieben werden. "Aber manchmal sind Umbauten, zu denen man gezwungen wird, nicht die schlechtesten Lösungen."

Kurzfristig sieht auch Trainer Felix Magath im Kampf um die deutsche Meisterschaft sowie in der Champions League keinen Handlungsbedarf. "Im Moment reicht der Kader für unsere Ziele. Ich habe noch ein paar Mittelfeldspieler", sagte der Coach. Doch mit Blick auf die Zukunft dürfte beim deutschen Branchenprimus nach dem "schwarzen Dienstag" das Werben auch um internationale Top-Spieler verstärkt werden. Vor allem im Mittelfeld, in dem der Verein neben Deisler zum Saisonende auch "Dauerbrenner" Hasan Salihamidzic (Wechsel zu Juventus Turin) sowie Routinier Mehmet Scholl (Karriereende) verliert, steht der Verein unter Druck.

Kein "Spiel ohne Grenzen" bei Investitionen

"Wir bemühen uns um die ein oder andere namhafte Verstärkung", hatte Hoeneß schon im Trainingslager in Dubai die Lage skizziert. Doch wie beim Franzosen Franck Ribéry, für den die Bayern ihr Interesse ganz offiziell bei Olympique Marseille angemeldet haben, stehen auf internationaler Ebene die Karten für den deutschen Rekordmeister alles andere als gut. Bis zu 40 Millionen Euro will der Verein in neue Spieler investieren, doch in ein "Spiel ohne Grenzen" soll weiterhin nicht eingestiegen werden. "Bei Spielern, die uns wirklich verstärken könnten, hat man es als Gegner mit Vereinen wie Chelsea, AC Mailand, Real Madrid oder FC Barcelona zu tun", beschrieb Hoeneß das Dilemma. "Und das ist nicht ganz so einfach."

Neben dem Werben um erfahrene Top-Spieler setzt der Meister deshalb auch weiter auf junge Spieler. Mit dem Noch-Aachener Jan Schlaudraff, für Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge "einer der hoffnungsvollsten jungen deutschen Spieler", hat Magath für die neue Saison schon einen möglichen Scholl-Nachfolger in seinen Reihen. Als nächster könnte Hamit Altintop von Schalke 04 ins Visier der Bayern geraten. Der türkische Nationalspieler muss bis Ende März entscheiden, ob er bis 2011 im Ruhrgebiet bleiben will.

Tür für Deisler bleibt offen

Unterdessen will Bayern-Präsident Franz Beckenbauer auch eine Rückkehr Deislers nicht gänzlich ausschließen. "Ich gebe die Hoffnung auf Sebastian Deisler noch nicht ganz auf", schrieb er in seiner Kolumne für die "Bild"-Zeitung. "Die Tür für Sebastian Deisler bleibt offen." Ein Hoffnungsschimmer kam von Deislers Psychiater Professor Florian Holsboer: "Deisler hat seine Depression vollkommen überwunden", sagte der Direktor des Münchner Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in der Münchner "Abendzeitung".

(Von Michael Fox, dpa)

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