Bundesliga-Fernsehen : Uli Hoeneß: "Nicht jeder will Volksmusik sehen"

Wenn es nach Bayerns Manager Uli Hoeneß geht, sollte jeder Bürger zwei Euro im Monat für Bundesliga-Fußball im öffentlichen Fernsehen zahlen. Im Interview erklärt er seinen umstrittenen Vorschlag.

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Uli Hoeneß träumt von einer GEZ-Abgabe für Profi-Fußball. -Foto: dpa

Mit dem Vorschlag einer zusätzlichen Abgabe der deutschen TV-Zuschauer für die Bundesliga hat Manager Uli Hoeneß von Bayern München für reichlich Diskussionsstoff gesorgt. Im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) erläutert der 57-Jährige seine Idee, wonach jeder Bürger zwei Euro im Monat zusätzlich an Fernsehgebühren aufbringen soll.

Frage: "Uli Hoeneß, Ihr Vorschlag - zwei Euro Soli-Zuschlag für die Bundesliga - hat mächtig für Aufsehen gesorgt..."

Uli Hoeneß: "Ja, deshalb, weil die Leute nicht lesen können - oder wollen. Ich habe keinen Solidaritätszuschlag für Fußballspieler gefordert! Ich habe erstens gesagt: 'Mein Traum wäre es, wenn...'. Und zweitens, dass der einfache Fan für nur zwei Euro pro Monat mehr die gesamte erste und zweite Bundesliga 'kostenfrei' sehen könnte. Egal, ob's der Fan in Rostock ist, der in Schalke, Aachen, Berlin oder München."

Frage: "Halten Sie zwei Euro für angemessen?"

Hoeneß: "Ja, zwei Euro pro Monat. Ich wiederhole nochmal: das ist ein kleines Bier in der Kneipe oder eine halbe Schachtel Zigaretten. Dafür könnten alle Spiele live bei den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF übertragen werden. Jeder, ich wiederhole, jeder könnte dann alle Spiele live, plus zeitversetzt, plus eventuell kostenfrei auf Abruf ansehen."

Frage: "Aber nicht jeder will Fußball sehen..."

Hoeneß: "Und nicht jeder will Vorabendserien sehen, Volksmusik, Rosamunde Pilcher, oder Kulturprogramme, nicht mal jeder Politik. Und doch muss jeder 17,98 Euro monatlich GEZ-Gebühren dafür bezahlen. Sollten zum Beispiel zehn Millionen TV-Teilnehmer das nicht wollen, bin ich auch sicher, dass die Fußballinteressierten - und das sind zwei Drittel von 37 Millionen TV-Haushalten - dann sogar bereit wären, sogar drei Euro pro Monat zu investieren."

Frage: "Warum?"

Hoeneß: "Weil Fußball mehr Menschen in Deutschland bewegt als alles andere. Umfragen belegen es: 83 Prozent der 14- bis 69-jährigen Bundesbürger - das sind über 55 Millionen Menschen in Deutschland - interessieren sich für Fußball. Schauen Sie sich doch die TV-Einschaltquoten an: Fußball ist Allgemeingut in Deutschland, genauso wie in England, Italien und Spanien."

Frage: "Ist der Zeitpunkt Ihres Vorstoßes angesichts von Wirtschafts- und Finanzkrise nicht etwas unglücklich gewählt?"

Hoeneß: "Nein, im Gegenteil. Denn gerade jetzt sollten wir uns Gedanken um den 'kleinen Mann' machen, um diejenigen, die es am meisten treffen wird. Diejenigen, die nicht mehr am Wochenende schnell wegfahren können, die vielleicht das Geld nicht mehr haben, um von weither zu ihrem Klub zu fahren und das Ticket im Stadion zu kaufen. Genau diese Leute könnten für zwei Euro an vier Tagen in der Woche, von Freitag bis Montagabend Fußball satt sehen."

Frage: "Wenn die Bundesliga nur noch bei ARD und ZDF zu sehen wäre, würde das das Aus für Pay-TV in Deutschland bedeuten. Sehen Sie überhaupt noch eine Hoffnung für das Pay-TV?"

Hoeneß: "Mein Vorschlag würde doch nur dann zum Tragen kommen, wenn sich die Pay-TV-Situation für die in Frage kommenden Partner nicht mehr als rentabel herausstellen sollte. Ich hoffe aber sehr, dass es Premiere gelingt, dies zu schaffen."

Frage: "Wie würden Sie die Mehreinnahmen verteilen?"

Hoeneß: "Das ist nicht meine Aufgabe. Da bin ich überzeugt, dass die DFL hier vernünftige Vorschläge machen würde, die für alle Beteiligten zum Vorteil wären."

Frage: "Sehen Sie außer Ihrem Vorschlag, die Bundesliga komplett zu ARD und ZDF zu holen, noch weitere Möglichkeiten, die Bundesliga wieder näher an England und Spanien heranzuführen?"

Hoeneß: "Die Schere im internationalen Fußball würde sich dann auf jeden Fall zugunsten des deutschen Fußballs verringern. Den Rest müssen wir schaffen, indem wir vernünftiger und kostenbewusster arbeiten als die Kollegen in anderen Ländern. Ich denke da natürlich auch an den vernünftigen Umgang mit den Gehältern der Spieler. Ich glaube aber, dass wir in diesem Bereich auch schon auf einem sehr guten Weg sind."

Aufgezeichnet vom Sport-Informations-Dienst (sid)

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