Bundesliga-Finale : "Es gab schon häufig eine Wende"

Bundestrainer Löw wird den möglichen Titelgewinn seines Ex-Clubs VfB Stuttgart am nächsten Samstag im Gottlieb-Daimler-Stadion miterleben. Er warnt die Schwaben vor verfrühter Meisterschafts-Euphorie.

München - "Die Entscheidung ist noch nicht gefallen. Der VfB hat natürlich die besten Karten. Er hat es gegen Energie Cottbus bei zwei Punkten Vorsprung auf Schalke selbst in der Hand. Allerdings gab es schon häufig am letzten Spieltag plötzlich noch eine Wende", sagte Joachim Löw. Der 47-Jährige hatte 1997 als VfB-Trainer mit den Stuttgartern den DFB-Pokal gewonnen - durch ein 2:0 im Finale gegen Energie Cottbus.

Trotz des wohl erneuten Scheiterns des FC Schalke 04 bescheinigt Löw auch dem Tabellenzweiten eine unter dem Strich sehr erfolgreiche Saison. "Schalke hatte vor der Saison niemand auf der Rechnung. Da wurde zu Saisonbeginn sogar über Trainer Mirko Slomka spekuliert. Sie haben über die gesamte Saison gut gespielt", erklärte Löw.

Selbst der SV Werder Bremen, der sich am 33. Spieltag durch eine 1:2-Heimniederlage gegen Eintracht Frankfurt vorzeitig aus dem Titelrennen verabschiedet hatte, habe unter dem Stich "nicht enttäuscht", meinte der Bundestrainer: "Es war überraschend, dass die Bremer gegen Frankfurt verloren haben. Aber sie haben eine gute Champions-League-Saison gespielt. Alle drei Mannschaften, Stuttgart, Schalke und Bremen, haben eine gute Saison gespielt."

Löw: Stuttgart besticht als Mannschaft

Für den möglichen fünften Meistertitel des VfB, der die Saison anschließend sogar noch mit dem Pokalsieg und damit dem ersten "Double" der Vereinsgeschichte krönen könnte, sieht Löw mehrere Gründe: "Der VfB hat in den letzten Jahren viele junge Spieler integriert. Trainer Armin Veh und sein Team arbeiten hervorragend. Er hat ein Team aus erfahrenen Spielern, aus ausländischen und jungen deutschen Spielern geformt, das selbst Rückschläge wie beim Sieg in Bochum wegstecken kann. Es besticht als Mannschaft."

Neben Senkrechtstartern wie Torjäger Mario Gomez und Roberto Hilbert, die in diesem Jahr ihr Länderspiel-Debüt feierten, hob Löw die Entwicklung von Torhüter Timo Hildebrand und Mittelfeldspieler Thomas Hitzlsperger heraus, die als Nationalspieler nicht immer unumstritten waren. "Jetzt weiß man, warum wir an diesen Spielern festgehalten haben. Thomas Hitzlsperger ist ein Muster an Zuverlässigkeit, Hartnäckigkeit und professioneller Einstellung. Timo Hildebrand hatte eine schwere Saison. Wenn man sich für einen Wechsel zu einem anderen Verein entscheidet, wird man anders beäugt. Es spricht für ihn, dass er eine solche Saison spielt."

Löw wird neben Hitzlsperger darum auch Hildebrand Anfang Juni in den beiden EM-Qualifikationsspielen in Nürnberg gegen San Marino und in Hamburg gegen die Slowakei wieder als zweiten Torhüter neben Stammkeeper Jens Lehmann nominieren. "Ja, Timo wird dabei sein."

Noch einige Fragezeichen im Kader der Nationalmannschaft

Bei dem 20-köpfigen Kader (18 Feldspieler, 2 Torhüter), den der Bundestrainer nach dem letzten Bundesliga-Spieltag nominieren will, stehen hinter einigen verletzten Spielern "noch Fragezeichen", wie der Chefcoach bemerkte: "Bastian Schweinsteiger könnte es noch schaffen, Per Mertesacker vielleicht. Michael Ballack ist fraglich, Tim Borowski auch." Offen ließ Löw, ob VfB-Stürmer Gomez nach seinem Tor-Comeback in Bochum schon wieder dabei sein wird. "Er hat jetzt in Bochum 30 Minuten gespielt, hat noch das Spiel gegen Cottbus und das Pokalfinale. Man muss abwarten, wie er das verkraftet."

Dass Löw vor den Länderspielen womöglich tief enttäuschte Nationalspieler wie den Schalker Kevin Kuranyi oder die Bremer Torsten Frings und Miroslav Klose vorfinden wird, beunruhigt ihn nicht: "Es war schon immer so, dass Spieler zur Nationalmannschaft kommen, die eine Enttäuschung zu verkraften haben. Aber damit können wir umgehen." (Von Klaus Bergmann, dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben