Bundesliga : Gladbach immer stabiler

Nach dem Sieg gegen den direkten Konkurrenten Hannover 96 nähert sich die Mannschaft von Trainer Lucien Favre den Europapokalplätzen.

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Kommt ein Stranzl geflogen. Mönchengladbach steht defensiv wieder stabil. Foto: dpa
Kommt ein Stranzl geflogen. Mönchengladbach steht defensiv wieder stabil. Foto: dpaFoto: dpa

Die Nachwehen seiner Begegnung mit Hannovers Mame Diouf nahm Martin Stranzl noch mit nach Hause. „Mir brummt der Schädel“, erwähnte der Gladbacher Abwehrchef vor dem Heimweg kurz die Folgen des Zusammenpralls mit dem Angreifer aus dem Senegal, der Stranzls Arbeitstag vorzeitig beendet hatte. Nach einer Stunde musste der 32-jährige Österreicher vom Feld. Für ihn rückte der Niederländer Roel Brouwers in die Innenverteidigung – und es war, als sei nichts geschehen: Hannover 96, immerhin mit der drittbesten Offensive der Liga, war vor Stranzls unfreiwilligem Abmarsch nicht zum Zug gekommen. Und dabei blieb es auch danach.

Am Ende sprang ein 1:0 für die Borussen heraus – und eine nicht ganz neue Erkenntnis für Hannover Trainer Mirko Slomka: „Die Gladbacher haben wie gewohnt und wie erwartet eine sehr konzentrierte und disziplinierte Leistung gezeigt. Sie sind in der Defensive einfach schwer zu spielen.“ Seine Mannschaft habe zwar alle Möglichkeiten und Mittel ausgeschöpft und versucht das Gladbacher Bollwerk zu durchbrechen. „Aber es hat leider nicht zu einem Tor gereicht“, sagte Slomka. Nein, „es hat noch nicht einmal zu einer Großchance gereicht“.

Patrick Herrmann ist immerhin ein passabler Nachfolger für Marco Reus

Stabilität ist also wieder zum Gladbacher Markenzeichen geworden. So wie vor zwei Jahren schon, als Lucien Favre die Mannschaft im Frühjahr übernahm, ihr als erste Maßnahme eine unnachgiebige Verteidigungshaltung eintrichterte und die Borussen so vor dem scheinbar sicheren Abstieg bewahrte. Es folgte – im krassen Gegensatz dazu – eine atemberaubende Saison mit einem bestens geölten Überfallkommando um Marco Reus. Der spielt längst in Dortmund und hat in Patrick Herrmann zwar keinen echten Kronprinzen, aber einen sehr passablen Nachfolger gefunden.

Der größte Trumpf aber ist eine nun wieder glänzende Defensive.

Eberl: "Wir wollen weiter vom süßen Nektar schlürfen"

Anders als vor zwei Jahren zittert Favres Ensemble diesmal aber nicht um den Klassenverbleib, sondern hat gute Chancen, sich erneut für den Europapokal zu qualifizieren. Selbst der Platz, der für die Qualifikationsspiele zur Champions League berechtigt, ist nur einen Punkt entfernt. Das ist mehr, als die Gladbacher vor der Saison als Ziel ausgegeben hatten. „Wir wollten uns nach zwei extremen Jahren ein Stück weit konsolidieren“, sagte Sportdirektor Max Eberl. Die Mannschaft hat sich in der Spielzeit kontinuierlich gefestigt – und am Sonntag war sie zum ersten Mal richtig in der Lage, die diversen Patzer der direkten Konkurrenten zu nutzen. „Dieses Wochenende lief alles in allem sehr gut für uns“, erklärte Eberl und ergänzte. „Wir werden jetzt nicht anfangen, übertrieben zu träumen. Aber wenn du einmal in Europa unterwegs warst, willst du weiter am süßen Nektar lecken.“

Die Aussichten sind so schlecht nicht, weil die Gladbacher neben defensiver Stabilität inzwischen auch in der Offensive zumindest punktuell zu glänzen wissen. So wie beim Siegtreffer gegen Hannover, den Herrmann technisch hochwertig vorbereitete und Stürmer Luuk de Jong, vor zwei Wochen bereits Torschütze beim 1:0 in Frankfurt, mit einer intelligenten Aktion vollendete. Vom grandiosen Konterfußball der letzten Saison sind die Gladbacher zwar meilenweit entfernt, doch Sportchef Eberl findet: „Insgesamt haben wir nun viel Fantasie und Kreativität im Spiel und eine gute Mischung gefunden.“ Mit dieser Mixtur ist der umgewandelte Vorjahresvierte auf bestem Weg zurück auf die europäische Bühne, auch wenn es noch einige Ansätze zur Verbesserung gibt. So machte Torschütze de Jong den durchaus sinnvollen Vorschlag: „Wir sollten zusehen, dass wir die Leistung der ersten Halbzeit auch mal ein ganzes Spiel lang zeigen.“

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