Bundesliga : Hamburg liegt jetzt näher an Berlin

Kann der HSV in der Bundesliga zu Wolfsburg und Bayern aufschließen und Spitzenreiter Berlin näher kommen? Er konnte. Durch zwei Tore von Paolo Guerrero gewann der HSV 2:1 bei schwachen Schalkern.

Richard Leipold[Gelsenkirchen]

Vor dem Spiel war Oliver Kahn immer noch das beherrschende Thema rund um die Arena. Kommt er oder kommt er nicht nach Gelsenkirchen? Diese Frage wird vermutlich noch eine Weile im Mittelpunkt stehen, bis feststeht, wer im Vorstand des FC Schalke 04 die Nachfolge von Andreas Müller antreten wird. Clemens Tönnies, der Aufsichtsratsvorsitzende des Klubs, kündigte an, eine Entscheidung in der Managerfrage könnte schon in dieser Woche fallen. Für Puristen bot das Spiel gegen den Hamburger SV ein wenig Abwechslung, schon wegen der Frage: Kann der HSV in der Bundesliga zu Wolfsburg und Bayern aufschließen und Spitzenreiter Berlin näher kommen? Er konnte. Dank der beiden Tore von Paolo Guerrero gewann Hamburg 2:1 und rückte bis auf einen Punkt an Hertha BSC heran.

Die Schalker, für die Jefferson Farfan zehn Minuten vor dem Ende den Anschlusstreffer erzielte, versinken dagegen nach der zweiten Heimniederlage im Mittelmaß. Ihr Rückstand auf Platz fünf beträgt nun schon sieben Punkte. Trainer Fred Rutten wirkte niedergeschlagen wie nie, seitdem er in Schalke arbeitet: „Das war ein richtiger Schlag, den müssen wir erst einmal verarbeiten.“ Auch Ruttens Position erscheint nach dieser Niederlage nicht gerade stabil.

Die Hamburger mussten ohne ihre beiden erfolgreichsten Stürmer Mladen Petric und Ivica Olic auskommen. Zudem fehlte Piotr Trochowski, der Impulsgeber im Mittelfeld. So war Guerrero in der Spitze auf sich allein gestellt. HSV-Trainer Martin Jol lobte die Widerstandskraft seiner Mannschaft – und ganz besonders den Torschützen. „Ich war schon immer begeistert von Paolo Guerrero, er ist gut drauf.“ Allerdings habe der Klub noch zwei andere Stürmer von hoher Qualität. „Wenn die nicht mitspielen, bin ich immer froh, dass Paolo da ist.“

Obwohl ersatzgeschwächt, legte der HSV, der drei Tage zuvor noch im Uefa-Pokal gefordert war, einen flotteren Start hin als die ausgeruhten Schalker. Im Laufe der ersten Hälfte trafen sich beide Parteien dann auf niedrigem Niveau, ohne einander weh zu tun. Die Gastgeber kamen nur dann in die Nähe des gegnerischen Strafraums, wenn ihre wenigen halbwegs ernsthaften Vorstöße nicht gerade im Mittelfeld versandeten oder im Abseits endeten wie bei Jones’ wertlosem Treffer nach knapp einer Viertelstunde.

Die größte Chance in der ersten Halbzeit bot sich Heiko Westermann, dem torgefährlichsten Schalker Mittelfeldspieler. Doch der aufmerksame Hamburger Torhüter Frank Rost parierte den von Aogo abgefälschten Schuss im Nachfassen. Auf der Gegenseite spitzelte Jonathan Pitroipa einen Ball, den Kobiaschwili zu kurz abgewehrt hatte, knapp über das Gelsenkirchener Tor. Die Schalker, die nur auf den verletzten Bordon verzichten mussten, passten sich dem gemächlichen Tempo des Gegners an, als müssten auch sie mit ihren Kräften haushalten.

Oder schonten sie nur ihre Kräfte, um zur Stelle zu sein, wenn der HSV müde werden würde? Jedenfalls versuchten die Schalker nach der Pause den Druck zu steigern. Das Geschehen verlagerte sich zusehends in die Hamburger Hälfte, allerdings ohne dass der Unterhaltungswert zunahm. Die Angriffe der Heimelf kamen über das Stadium des Versuchs zumeist nicht hinaus; der HSV beschränkte sich zunächst noch stärker als in der ersten Hälfte darauf, sein Tor zu sichern, und spekulierte – scheinbar – auf ein torloses Unentschieden. Nach einer Stunde brachte der Gelsenkirchener Trainer Rutten mit Halil Altintop einen vierten Stürmer.

Doch die nur formal stark offensive Ausrichtung beeindruckte den HSV nicht. Im Gegenteil: Die Hamburger rafften sich zu zwei Gegenstößen auf, und Guerrero verwertete seine Möglichkeiten eiskalt zu einem Doppelschlag. Erst nutzte er einen Fehler von Torhüter Manuel Neuer, der ihm den Ball, beim Versuch zu klären, vor die Füße köpfte. Und wenige Minuten später erreichte ihn ein Querpass von Marcell Jansen. Farfans Anschlusstreffer machte die Partie wenigstens in der Schlussphase noch einmal spannend, kam aber zu spät. So konnten die HSV-Fans in der Arena ihr altes Lieblingslied singen: „Wer wird deutscher Meister? H-H-H-HSV!“

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