Bundesliga : Hertha BSC: Das Leiden der anderen

Alle spielen für Hertha, nur Hertha nicht: Es scheint fast so, als schlüge Hertha BSC die Hilfe der anderen Vereine aus – auch wenn die Konkurrenz im Abstiegskampf immer wieder verliert, siegen die Berliner nicht.

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Der Spuk geht weiter. Herthas Verteidiger Lewan Kobiaschwili kann nicht fassen, warum kein Sieg gelingen will. -Foto ddp

BerlinBerlin – Arne Friedrich verweilte noch ein wenig in jenem Bereich eines Stadions, wo die Fußballprofis nach Spielende auf Journalisten treffen. „Wir haben doch tatsächlich wieder einen Punkt gut gemacht auf die Konkurrenz“, sagte Herthas Mannschaftskapitän. In seinen Worten klang allerdings kein Stolz mit. Wie auch? Der fast schon ewige Tabellenletzte hatte wieder nur Unentschieden gespielt, diesmal 1:1 gegen Mainz. „Auf Dauer ist ein Punkt zu wenig“, sagte Friedrich und schüttelte lächelnd den Kopf: „Eigentlich ist es unfassbar, dass wir immer wieder aufholen. Wahnsinn.“

Tatsächlich hat Hertha den Abstand auf den Vor- und Vorvorletzten der Tabelle um einen Punkt verkürzen können. Zu Beginn der Rückrunde betrug der Abstand zum vielleicht rettenden drittletzten Tabellenplatz zehn Punkte. Jener Platz berechtigt zur Teilnahme an zwei Relegationsspielen mit dem drittbesten der Zweiten Liga. Inzwischen beträgt der Abstand zu jenem 16. Tabellenplatz fünf Punkte. „Um so ärgerlicher ist es, wenn die anderen verlieren, und wir wieder nur einen Punkt holen“, sagte Friedrich.

Für die Mehrheit der Fußballfans konnte Hertha den Abstand zum Vor- und Vorvorletzten nur deshalb verringern, weil diese Mannschaften, also Nürnberg und Hannover, wieder einmal jeweils ihre Spiele verloren haben. Somit setzt sich ein Trend der Rückrunde fort: Alle spielen für Hertha, nur Hertha nicht.

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Wie lange das gut geht, weiß niemand so genau. Aber eigentlich geht es ja schon jetzt nicht gut. Drei Heimspiele hat Hertha in 2010 bestritten, dreimal hat Hertha unentschieden gespielt, und dreimal handelte es sich dabei um Gegner, die – mit Verlaub – zur Laufkundschaft der Liga zählen. Beispielsweise Mainz, der Aufsteiger. Nicht einmal gegen das zweitschlechteste Auswärtsteam der Saison brachte Hertha einen Sieg zustande. Und so warten die Berliner seit 189 Tagen auf einen Sieg im Olympiastadion – das ist mehr als ein halbes Jahr.

Doch der Vorjahresvierte aus Berlin wird sich im Abstiegskampf nur bedingt auf die Konkurrenz verlassen können. Herthas Gegnerschaft im Frühjahr wird immer anspruchsvoller. Warum soll Hertha ausgerechnet dann die nötigen Siege einfahren, wenn es schon „jetzt gegen kleine Mannschaften nicht gereicht hat“, wie Friedrich sagte. „Wir müssen optimistisch bleiben“, schob der 30-Jährige rasch hinterher.

Ob das Unentschieden gegen Mainz zu wenig war, werde man nach dem 34. Spieltag wissen, sagte Friedhelm Funkel. Vielleicht hat Herthas Trainer ja auch so eine Ahnung, dass am Ende nur ein, zwei oder drei Punkte an der Rettung fehlen könnten. Dann werden einem die sieglosen Heimspiele im Januar und Februar diesen Jahres bestimmt noch einmal hochkommen. „Um uns von unten entscheidend wegzubewegen, müssen wir beginnen, Spiele zu gewinnen“, sagte Michael Preetz. Ansonsten haderte Herthas Manager mit dem Glücksschuss der Mainzer, die sonst keine Gefahr verbreiteten. Dass er Funkel als Retter noch einmal verpflichten würde, ist sein gutes Recht. Wahr ist aber auch, dass Hertha in den 15 Ligaspielen unter Funkel neun Punkte geholt hat – von 45 möglichen.

Gestern ist Friedhelm Funkel nach Frankfurt geflogen, wo er die 1:2-Niederlage von Herthas kommendem Gegner Freiburg gesehen hat. Damit bleibt auch der Aufsteiger aus dem Breisgau in Reichweite der Berliner. Funkel wird das mit Wohlwollen registriert haben. Ohnehin hat es für den Berliner Fußballfan etwas, Herthas Konkurrenz im Abstiegskampf beim Schwächeln zuzuschauen. Darin gründen sich die größten Hoffnungen der Berliner. Oder mit anderen Worten ausgedrückt: Alles, was derzeit Hertha hoffen lässt, liegt außerhalb des Vereins.

„Irgendwann werden die anderen auch mal wieder gewinnen“, sagte Arne Friedrich. Es hörte sich nicht spaßig an, als Herthas Mannschaftskapitän das sagte. Schon eher als Drohung. Bei Hertha muss man es so auch verstehen.

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