Bundesliga : Hertha BSC: Spitzenreiter oder Außenseiter?

Hertha BSC muss am zweiten Spieltag gegen den 1. FC Nürnberg zeigen, wie nachhaltig der neue Stil ist – und ob der Rausch Dauerzustand wird. Die Tabellenführung haben die Berliner vor dem Spiel angeblich nicht im Kopf - und das Nürnberger Publikum anscheinend auch nicht.

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Die Hertha-Spieler hüpfen auf der Laufbahn vor der Fankurve.
Nur nicht abheben. Die Mannschaft von Hertha BSC muss das richtige Maß an Selbstvertrauen aus dem 6:1-Sieg zum Saisonstart...Foto: dpa

Der 1. FC Nürnberg hat ein Problem: Der Spitzenreiter der Bundesliga ist am Sonntag zu Gast und so richtig reißt es keinen mit in der Stadt. Mit 36.000 Zuschauern rechnet der Verein für das erste Heimspiel. Vor einem Jahr gegen Dortmund war das Nürnberger Stadion ausverkauft, 50.000 Plätze gefüllt, über die ganze Saison lag der Schnitt bei knapp über 40.000; damit rechnen sie in Franken auch in der aktuellen Saison.

„Hertha kann man als Tabellenführer verkaufen, das ist eine attraktive Mannschaft“, sagte Trainer Michael Wiesinger am Freitag. „Aber wir haben noch ein paar Tage, ich hoffe das Stadion wird voller.“

Das Nürnberger Publikum hat offenbar ein Problem, die Attraktivität der Gäste einzuordnen: Kommt da eine Spitzenmannschaft oder nur ein Aufsteiger? Können die noch einmal so sehenswert spielen wie beim 6:1 zum Start gegen Frankfurt oder war das ein einmaliger Vorfall?

Verständliche Fragen, in ähnlicher Form stellt man sie sich auch in Berlin. Das zweite Saisonspiel und die Partien danach werden wohl erst Aufschluss geben, wie diese neue Hertha einzuordnen ist. Nach dem Rausch beim ersten Heimspiel hat sich bei einigen Anhängern mittlerweile der Zweifel eingeschlichen, ob es nicht die Umstände waren, die den aufregenden Auftritt begünstigt hatten: die Euphorie, der Gegner, der mit eigenen Problemen kämpfte. Doch heimlich wird gehofft, dass Herthas Spielstil nachhaltig ist und der Rausch zum Dauerzustand wird. Zumindest würde man gerne wissen, woran man denn ist bei Hertha in diesem Jahr.

„Wir müssen uns jedes Wochenende neu beweisen“, sagt Herthas Verteidiger Sebastian Langkamp, „und bestätigen, dass es kein Zufall war, wie das erste Spiel zustande kam.“ Aber natürlich sei der Mannschaft bewusst, „dass nicht jedes Spiel so furios wird. Gerade auswärts müssen wir uns manchmal anpassen.“

Reaktionen zu Herthas 6:1-Sieg
Hertha-Trainer Jos Luhukay freute sich sichtlich nach dem 6:1: "Ein wunderschöner Tag für Berlin und ein Traumstart für uns - ein Sieg, sechs Tore und eine fantastische Atmosphäre. So lebt Fußball."Alle Bilder anzeigen
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11.08.2013 13:16Hertha-Trainer Jos Luhukay freute sich sichtlich nach dem 6:1: "Ein wunderschöner Tag für Berlin und ein Traumstart für uns - ein...

Nürnberg, das weiß er auch, ist nicht unbedingt eine Mannschaft, die Zuschauer mit dem Versprechen ins Stadion lockt, dass sie in Heimspielen stets die Initiative übernimmt und nicht abwartend spielt. Die Frankfurter hatten sich auswärts in Berlin eine Menge zugetraut – dann war eine Menge schiefgegangen. Trainer Wiesinger hat seiner Mannschaft das Spiel am Freitag auf Video gezeigt. Frankfurt sei nach einigen Ballverlusten in der Rückwärtsbewegung „nicht mitgegangen, dann kriegst du Probleme in der Bundesliga“. Das soll den Nürnbergern nicht passieren. „Wir wollen kompakter auftreten“, sagte Wiesinger, „keine Räume zulassen“.

Gegen so gut organisierte Teams muss sich Hertha noch beweisen in der Bundesliga. „Frankfurt hatte einige Klöpse im Spiel“, weiß auch Langkamp, „aber die haben wir auch forciert mit unserem schnellen Spiel.“ Dabei halfen auch die offensiven Außenverteidiger van den Bergh und Ndjeng, die nun verletzt ausfallen. Die Ersatzleute Pekarik und Holland wären deutlich defensiver; Kobiaschwili steht gar nicht im Kader. „Ob es wieder so gut läuft oder nicht, lässt sich nicht an den beiden festmachen“, sagt Trainer Jos Luhukay.

Eher daran, ob Hertha aus dem Saisonstart genau das richtige Maß Selbstvertrauen mitnimmt. „Ein Tick zu viel Euphorie kann auch nicht gut sein“, hofft Club-Trainer Wiesinger. Da viele Spieler bei ihren Nationalteams waren oder verletzt fehlten, „haben wir unter der Woche gar nicht über das letzte Spiel gesprochen. Der Fokus liegt auf dem Spiel am Sonntag“, sagt Luhukay. Auch Verteidiger Langkamp findet: „Es war schön, aber ist Vergangenheit. Ob wir Tabellenführer bleiben oder nicht, ist eigentlich egal.“

Aber vielleicht hat Hertha auch mit dem ersten Spiel schon seinen Außenseiterbonus verbraucht und wird als Aufsteiger nicht mehr unterschätzt in der Liga. Wiesinger, der in Nürnberg ein 4-1-4-1-System eingeführt hat, ähnlich dem des FC Bayern, sagte: „Wir wollen unser Ding durchziehen, unser System werden wir wegen Hertha nicht ändern.“ Wenn das Nürnberger Publikumsinteresse der Maßstab ist, dann hat Hertha noch ein Außenseiterimage. Jetzt müssen die Berliner nur beweisen, dass sie es zu Unrecht haben.

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