Bundesliga : Hertha räumt auf

Der Fußball-Bundesligist Hertha BSC Berlin gibt sich eine neue Satzung und mehr Demokratie.

Michael Rosentritt

BerlinBernd Schiphorst trommelte mit seinen Fäusten kurz auf die Tischplatte und lächelte vergnügt ins Auditorium. Der Präsident von Hertha BSC hatte sofort erkannt, was gestern Mittag im Berliner ICC passiert war. Die Mitglieder des Berliner Bundesligisten verabschiedeten eine neue Satzung, der große Gewinner ist das Präsidium des Vereins. Schiphorst sprach von einem „neuen Grundgesetz“, das sich der Verein verpasst habe: „Mehr Demokratie geht nicht.“

Mit dem gestrigen Beschluss endete eine Phase, die mit der Ausgliederung der Fußballprofiabteilung in die Hertha BSC Kommanditgesellschaft mit beschränkter Haftung auf Aktien (Hertha BSC KG mbH aA) begonnen hatte. „Jetzt gibt es klare, verbindliche Strukturen, eine klare Trennung zwischen Kontrolle und Exekutive, weniger Gremien und keine Doppelfunktionen mehr“, sagte Schiphorst gestern. Was Schiphorst nicht aussprach, aber doch sagte: Das alles gab es bei Hertha vorher nicht.

Mit der Gründung der KG vor fast sieben Jahren entstand ein Geflecht aus Gremien. Und es kam zu einer Ämterverquickung. Beispielsweise gab es zwei Aufsichtsgremien. Im so genannten Beteiligungsausschuss saßen unter anderem der komplette Aufsichtsrat und das komplette Präsidium des Vereins. Im zweiten Aufsichtsgremium, dem Aufsichtsrat der KG und dem somit faktisch wichtigsten, saßen unter anderen drei der vier Präsidiumsmitglieder des Vereins.

Üblicherweise werden Aufsichtsräte in Vereinen von den Mitgliedern, direkt gewählt. Bisher aber wurde der Aufsichtsrat der KG durch den Beteiligungsausschuss bestellt, also indirekt über ein Gremium, welches selber nur zu Teilen von den Mitgliedern direkt gewählt wird. Damit wurde die direkte Wahl der Mitglieder für das wichtigste Aufsichtsgremium umgangen.

Zudem gelangen durch diese Handhabe gleiche Personen in verschiedene Ämter. Also: Kontrolleure des einen Gremiums sitzen in anderen Gremien gemeinsam mit denen, die für ihre Abberufung zuständig sind. Solche Ämterhäufung beziehungsweise Personalunion ist problematisch. Sie kann zumindest theoretisch zu Interessenskonflikten, zu Kumpanei und zu beeinträchtigter Aufsicht führen.

Die dringend erforderliche, neue Satzung entstand in einer vierjährigen Diskussion. Das Interesse der Mitglieder hielt sich gestern allerdings in Grenzen. Nur 325 von 15 000 Eingeladenen waren zur Außerordentlichen Mitgliederversammlung erschienen. Die neue Satzung wurde bei zwei Gegenstimmen und neun Enthaltungen beschlossen. Wirksam wird sie aber erst mit der Eintragung in das Vereinsregister, Neuwahlen zu den Gremien stehen Anfang 2008 an.

Eine Aufwertung erfährt das Präsidium, das von vier auf neun Mitglieder vergrößert wird, es erhält mehr Gewicht und mehr Aufgaben. Das Präsidium ersetzt quasi den Beteiligungsausschuss, der künftig entfällt. Der Aufsichtsrat des Vereins wird von neun auf fünf Mitglieder verkleinert. Die Wahl und Abberufung beider Gremien erfolgt wieder durch die Mitgliederversammlung. Der Aufsichtsrat, der bisher das Präsidium bestellte, wird die Kandidaten für das Präsidium vorschlagen. Die Amtszeit beträgt vier Jahre. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat den Änderungen zugestimmt. Der DFL ist an einer gewissen Berechenbarkeit gelegen. Die Satzung enthält Sicherungen. So dürfen Mitglieder für das Präsidium nur auf Vorschlag des Aufsichtsrates gewählt werden. Präsidium und Aufsichtsrat können nur dann abgewählt werden, wenn drei Viertel der Mitglieder dafür stimmen.

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