Bundesliga : Hertha spielt wie befreit

Marko Pantelic und Sofian Chahed treffen für die Berliner zum 2:1-Erfolg bei fahrigen Leverkusenern.

Stefan Hermanns

LeverkusenIm deutschen Sprachgebrauch hat sich für den Zeitraum von Weihnachten bis Silvester der Ausdruck „zwischen den Jahren“ eingebürgert. Irgendwie gehören die Tage weder so richtig zum alten noch zum neuen Jahr. Hertha BSC erlebt gerade ein ähnliches Phänomen: Der Berliner Fußball-Bundesligist befindet sich zwischen den Saisons. Die aktuelle Spielzeit interessiert so recht niemanden mehr; selbst Manager Dieter Hoeneß schwänzte gestern das Spiel bei Bayer Leverkusen und beobachtete stattdessen mögliche Verpflichtungen für die neue Saison. In der Bayarena verpasste Hoeneß nicht nur Herthas ersten Auswärtssieg seit Anfang Februar, sondern auch den vielleicht stärksten Auftritt der Mannschaft unter Trainer Lucien Favre. Durch ein Tor von Marko Pantelic und einen von Sofian Chahed verwandelten Elfmeter gewannen die Berliner 2:1 (1:0). „Wir haben von Anfang an taktisch gut gespielt, der Sieg ist gerecht“, sagte Favre hinterher.

In der ersten Halbzeit zeigte sich, dass es kein Nachteil sein muss, ohne Druck aufspielen zu können. Die Leverkusenern mussten nach nur einem Sieg aus den vergangenen sieben Spielen gewinnen, um ihre internationalen Ambitionen nicht zu verspielen. Mit diesem Gedanken kamen sie nicht zurecht. Sie schleppten sich träge über den Platz, reihten Ballverlust an Ballverlust und verloren nahezu alle relevanten Zweikämpfe. Der müde Sergej Barbarez gab dieser Mannschaft gewissermaßen den Takt vor.

Nur Hertha brachte die nötige Schärfe ins Spiel. Die Berliner attackierten ihren Gegner früh und gezielt, brachten die fahrigen Leverkusener immer wieder in Bedrängnis. Anfangs fehlte lediglich die Entschlossenheit im Spiel nach vorne, als die Berliner dann erkannten, dass von Bayer wenig Gefahr ausging, trauten sie sich mehr: Raffael narrte die beiden Leverkusener Innenverteidiger Lukas Sinkiewicz und Manuel Friedrich, legte den Ball zurück an die Strafraumgrenze, und von dort vollendete Marko Pantelic mit seinem rechten Außenrist zum 1:0. Für den Serben war es der 13. Saisontreffer.

Pantelic scheiterte nur drei Minuten danach mit einem Weitschuss an Bayers Torhüter René Adler, und kurz vor der Pause vergab Rudolf Skacel die beste Chance zum 2:0. Die Leverkusener aber, die zuvor viermal hintereinander gegen Hertha gewonnen hatte, wurden zunächst nur nach Ecken und Freistößen gefährlich. Einmal scheiterte Manuel Friedrich per Kopf, einmal konnte Jaroslav Drobny seinen Schuss aufs kurze Eck halten. Aus dem Spiel heraus schaffte es Bayer so gut wie nie in den Berliner Strafraum. Theofanis Gekas, der einzige Leverkusener Stürmer, hing in der Luft wie eine Marionette, bei der sich sämtliche Schnüre verknotet haben. Der Grieche wurde zur Pause ausgewechselt, für ihn brachte Trainer Michael Skibbe den wuchtigen Russen Dimitri Bulykin, was die Leverkusener Zuschauer mit „Skibbe raus!“-Rufen kommentierten.

Skibbes Team spielte plötzlich mit mehr Entschlussfreude, nicht immer aber verstanden es die Leverkusener ihre Aggressivität mit Gewinn einzubringen. Nach einer Stunde sah Stefan Kießling für eine Tätlichkeit an Gojko Kacar die Rote Karte. Kurz darauf holte Adler Lukasz Piszczek im Strafraum von den Beinen, Sofian Chahed, einziger Deutscher in Herthas Startformation, verwandelte den folgenden Elfmeter sicher.

Kurz vor dem Ende fühlte Hertha sich zu sicher, was fast schief gegangen wäre. Erst gelang Sinkiewicz nach einer Ecke der Anschluss. Nur 50 Sekunden später drosch Bulykin den Ball auf das Hertha-Tor. Drobny parierte glänzend.

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