Bundesliga : Hertha verliert den Sieg

Gegen Wolfsburg wachen die Berliner spät auf, verschießen einen Elfmeter, gehen nach einem Rückstand noch in Führung – und spielen doch nur 2:2.

Claus Vetter
Hertha BSC - VFL Wolfsburg
Das reichte nicht. Per Kopf erzielte Gojko Kacar das 1.1.Foto: dpa

Aus den Lautsprechern dröhnte kurz vor Spielbeginn Herthas neue Klubhymne „Blau und weiß“, ein Musikstück mit unterdurchschnittlichem Mitgröhlfaktor. Egal, die Berliner Fans gaben ihr Bestes. Es war alles gerichtet für einen feierlichen Nachmittag im Berliner Olympiastadion. Herthas Trainer Lucien Favre hatte den 250. Erfolg seines Vereins in der Bundesligageschichte versprochen – gegen den VfL Wolfsburg, der gegen die Berliner schon seit neun Spielen nicht mehr gewonnen hatte.

Am Ende konnte der Berliner Trainer sein Versprechen aber nicht einhalten – 38.921 Zuschauer sahen ein 2:2 (0:1). Hertha wartet somit weiter auf den ersten Heimsieg der Saison. Es war für Hertha ein Unentschieden auf Umwegen, lange Zeit rannten die Berliner einem Rückstand hinterher, dann führten sie und gewannen doch nicht. Fast eine Stunde lang war nichts zu sehen von dem Schwung und dem Selbstbewusstsein, mit dem Hertha in die Bundesliga-Saison gestartet ist. Vor wenigen Wochen noch hatten die Berliner zum Auftakt Eintracht Frankfurt beim 2:0-Auswärtssieg geradezu überrumpelt.

Gestern fanden sie erst spät ins Spiel und vergaben am Ende auch noch nach einer 2:1-Führung den Sieg. Fünf Punkte aus vier Spielen sind nun eine Bilanz, die nur bedingt Anlass zu Optimismus gibt. Gegen Wolfsburg wurden die Hoffnungen der Berliner auf einen Sieg früh gedämpft, schon nach 45 Sekunden gelang Ricardo Costa per Kopfball das 1:0 für die Niedersachsen. Es war eine Kette von Fehlern, die zur frühen Wolfsburger Führung führte: Zunächst verschluderte Gojko Kacar den Ball, so dass Wolfsburgs Grafite zum Torschuss kam. Herthas Torwart Jaroslav Drobny lenkte den Ball zur Ecke. Von dort aus nahm der Ball dann den Weg auf den Kopf des in den Strafraum geeilten Costa. Gleich zwei Berliner Gegenspieler eskortierten den Wolfsburger, ohne einzugreifen – Cicero und Marc Stein.

Hertha tat sich fortan schwer, dabei gab sich vor allem der von Anfang an aufgebotene Andrej Woronin viel Mühe. Doch der vom FC Liverpool nach Berlin gewechselte Ukrainer war noch ein wenig glücklos. Überhaupt passierte in der ersten Halbzeit im Berliner Sturm wenig. Zu oft kamen nach umständlichen Aktionen im Mittelfeld keine vernünftigen Pässe nach vorne. Man durfte die Angst haben, dass sich Marko Pantelic beim vielen Winken irgendwann den Arm auskugeln würde. Und als der Serbe dann doch einmal den Ball bekam, war er bereits ins Abseits gelaufen. Herthas einzig gute Torschussmöglichkeit im ersten Durchgang vergab Pantelic mit einem Schuss aus der Drehung. Wolfsburgs Torwart Diego Benaglio parierte ohne Mühe. Die Wolfsburger dagegen verteidigten mit guter Ordnung im Spiel ihre Führung lange geschickt. Die größte Möglichkeit aber vergab Grafite, als er kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit einen Ball über das Tor stolperte.Die Berliner Bemühungen verloren sich dagegen lange in Eintönigkeit.

Lucien Favre konnte das harmlose Auftreten seines Personals anscheinend kaum fassen, so häufig wie am Sonnabend ist der Trainer in Berlin selten durch seine Coaching-Zone gesprungen. Anscheinend übertrug sich der Aktionismus des Trainers aber doch auf die Spieler: Nach einer knappen Stunde wuchtete Gojko Kacar nach einem Freistoß von Patrick Ebert den Ball ins Wolfsburger Tor. Angesichts der Passivität des Gastes war der Ausgleich gar nicht mal unverdient. Das Spiel hatte seine Wende bekommen. Hertha drängte nun, die Wolfsburger kamen aus dem Konzept: Nach einem Handspiel von Costa im Strafraum der Gäste entschied Schiedsrichter Wolfgang Stark zu Recht auf Elfmeter. Pantelic vergab diesen allerdings recht kläglich, der Ball ging klar am linken Torpfosten vorbei. Es war bereits Pantelics vierter verschossener Elfmeter in Folge.

Von der so oft gerühmten Kondition der Mannschaft von Trainer Felix Magath war dagegen bis in die Schlussphase wenig zu sehen, das Spiel fand vor allem in der Hälfte der Niedersachsen statt. Hertha spielte schneller und direkter, vor allem Patrick Ebert zeigte eine enorme Leistungssteigerung. Fünf Minuten vor Schluss war es dann Cicero, der mit einem Kopfballtreffer beinahe den ersten Heimsieg für Hertha in der noch jungen Saison gesichert hätte – doch Sascha Riether hatte etwas dagegen. In der vorletzten Minute traf er zum 2:2 für die Wolfsburger. „Das war der falsche Schlusspunkt für uns“, sagte Marc Stein. „Wir wollten heute unbedingt gewinnen."

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