Bundesliga : Hertha zum Kuscheln

Leiser Beifall, artiges Kopfnicken: Bei der Hauptversammlung im ICC gab es nicht einmal für Dieter Hoeneß Pfiffe, der gleich noch über seinen Abschied sprach. Jubel erhielt allerdings nur Josip Simunic.

Sven Goldmann
Hertha
Warme Worte, freundlicher Applaus: Bei der Hertha-Hauptsversammlung blieb alles ruhig. -Foto: ddp

BerlinEs hat sportlich schon schönere Zeiten gegeben für Hertha BSC, aber selten ist der Fußball-Bundesligist von der Basis so kuschelig empfangen worden wie am Abend im ICC. Drei Tage nach dem 1:2 beim Karlsruher SC begleitete leiser Beifall den Einmarsch der Mannschaft. Das als so ruppig verschriene Berlin kann auch lieb sein.

Trainer Lucien Favre hatte sich mit einer kurzen Grundsatzrede („Wir arbeiten an einem hohen Ziel, es wird schwer, aber ich bin optimistisch“) auf seine erste Mitgliederversammlung in Diensten von Hertha BSC vorbereitet. Freundlicher Applaus. Erste Jubelchöre gab es für den kroatischen Nationalspieler Josip Simunic, sie galten allerdings weniger seinen Verdiensten um Hertha denn dem Sieg seiner Nationalelf in der EM-Qualifikation gegen England. Und als Manager Dieter Hoeneß schließlich dem Berliner Eigengewächs Patrick Ebert zur Vertragsverlängerung gratulierte, da raste das Auditorium – und störte sich nicht daran, dass Ebert eher gelangweilt erwiderte, wie glücklich er sei, weiter für seinen Heimatverein spielen zu dürfen.

Die 661 Hertha-Mitglieder haben ihren Frieden gemacht mit der sportlich derzeit eher vagen Perspektive der Bundesligamannschaft. Anders als zu vergangenen Gelegenheiten gab es keinen Pfiff gegen Dieter Hoeneß – nicht mal, als er den Namen des in Berlin wenig geschätzten Extrainers Huub Stevens in den Mund nahm. Hoeneß sprach von neuen Impulsen durch Favre, von Visionen und wie gut der neue Trainer die Bundesliga bereits kennen gelernt hat. „Wir wollen wieder attraktiveren Fußball spielen“, rief Hoeneß, aber man müsse sich auch mit der Realität auseinandersetzen, „und die bedeutet, dass wir auch jeden Monat die Gehälter bezahlen wollen“.

Ja, die leidigen Finanzen – bei früheren Versammlungen immer gut für erregte Aussprachen. Gestern blieb es ruhig. Die schon am Sonntag durchgesickerten Zahlen (gut sieben Millionen Euro Schuldenabbau, knapp 800.000 Euro Gewinn) für das Geschäftsjahr 2006/07 trugen zur Harmonie bei. Zum Abschluss seiner Rede ging Hoeneß auf das geplante Ende seiner Amtszeit als Vorsitzender der Geschäftsführung ein: „Ich werde meinem Nachfolger im Jahr 2010 eine sportlich, wirtschaftlich und infrastrukturell starke Hertha übergeben.“

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