Bundesliga : Heynckes neuer Trainer in Leverkusen

Tauziehen mit überraschendem Ausgang: Bayer 04 Leverkusen erteilt seinem bisherigen Coach Bruno Labbadia die Freigabe für den angestrebten Wechsel zum Hamburger SV. Der neue Trainer steht schon bereit - Jupp Heynckes übernimmt die Werkself.

Frank Heike
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Jupp Heynckes (l.) und Bruno Labbadia -Fotos: dpa

HamburgAm Nachmittag hatte sich Bayer Leverkusen noch geziert. „Herr Labbadia hat noch für ein weiteres Jahr einen Vertrag“, hatte Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser gesagt, „ich habe den Hamburger SV aufgefordert, die Vertragslage zu respektieren.“ Die Hamburger hatten ihn verärgert, weil sie den Wechsel von Bayer-Trainer Bruno Labbadia bereits verkündet hatten und ihn sogar der Öffentlichkeit vorstellen wollten. Doch nur einige Stunden später war die Vertragslage für Wolfgang Holzhäuser plötzlich hinfällig. Er erteilte Bruno Labbadia die Freigabe für den Wechsel zum Hamburger SV. Und präsentierte seinerseits einen neuen Trainer für Bayer Leverkusen: Jupp Heynckes.

Das freilich ist eine Überraschung. Der Mönchengladbacher hatte in den letzten fünf Spielen der abgelaufenen Saison Bayern München als Nachfolger von Trainer Jürgen Klinsmann betreut und den deutschen Rekordmeister noch als Tabellenzweiter in die Champions League geführt. Anschließend schien es, als wolle er sich wieder zurück in sein Rentner-Dasein begeben. Nun hat sich der 64-Jährige Heynckes per Handschlag auf einen Vertrag bis Juni 2011 bei Bayer Leverkusen geeinigt.

„Ich habe mich sehr über das Interesse von Bayer 04 gefreut“, wurde Heynckes in der Mitteilung des Vereins zitiert. „Während meines kurzen Gastspiels in München habe ich gemerkt, dass es noch in mir brennt.“ Er sehe großes Potenzial in der Mannschaft von Bayer Leverkusen. Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser ist überzeugt, „dass gerade unsere junge Mannschaft von seiner Erfahrung und seiner natürlichen Autorität profitieren wird“.

Die Hamburger setzen indes in Labbadia auf einen Vertreter der jungen Trainer-Generation. Labbadia erhält beim Hamburger SV ebenfalls einen Zweijahresvertrag. Es wird spekuliert, dass die Hamburger eine Ablösesumme für Labbadia von geschätzten 1,3 Millionen Euro an Leverkusen überweisen müssen. Labbadia identifiziere sich voll mit der Aufgabe, sagte Hamburgs Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer: „Er steht für absolute Professionalität, Gradlinigkeit, Leidenschaft und eine klare Spielphilosophie.“ Labbadia stand schon vor einem Jahr beim Hamburger SV ganz oben auf der Kandidatenliste, ehe der Klub Martin Jol unter Vertrag nahm. Dem Vernehmen nach war sich der Hamburger SV mit dem Trainer-Kandidaten Nummer eins schnell einig über einen längerfristigen Vertrag, einzig die Verhandlungen mit Bayer Leverkusen haben sich schwieriger gestaltet als erwartet. Bayers Geschäftsführer prangerte in einem Interview die aktuelle Häufung der Wechsel der Fußballtrainer in der Bundesliga als Job-Hopping an. „Es ist mir zuwider“, sagte er. Am Vortag hatte Eintracht Frankfurt in Michael Skibbe, der im Februar bei Galatasaray Istanbul entlassen worden war, einen neuen Trainer verpflichten können.

Labbadia galt nach der feinen Vorrunde als kommender Trainerstar, doch die schwache Rückrunde mit Bayer und eine Mannschaft, die dem Trainer am Ende den Rücken zukehrte, lassen an seinen Fähigkeiten zweifeln. Deshalb ist seine Verpflichtung für die meisten Fans der Hamburger eine schlechte Nachricht. Im Umfeld des Hamburger SV hält man wenig von einem, der mit der Spvgg Greuther Fürth nicht in die Bundesliga aufstieg und sein Ende bei Bayer Leverkusen durch ein ungewöhnlich offenes Interview in der „Süddeutschen Zeitung“ provozieren wollte – und das am Tag des Pokalfinales, das anschließend mit 0:1 verloren ging. Da hatte Labbadia die Leverkusener Spieler als zu weich und zu bequem gebrandmarkt und sich selbst als Mann der absoluten Disziplin hingestellt.

Es las sich wie ein Bewerbungsschreiben. Hauptsponsor Bayer indes hatte die warnenden Worte ernst genommen und soll Labbadia sogar ein Angebot in der Doppelfunktion als Trainer und Manager gemacht haben. Doch da war sich Bruno Labbadia wohl schon einig mit dem Hamburger SV. mit dpa

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