Bundesliga im Test : 1. FC Köln: Nie mehr Tannenbaum

Wie der 1. FC Köln unter Trainer Zvonimir Soldo überraschen will. Am 7. August startet die Bundesliga in ihre neue Saison. In unserer Serie testen wir Stärken, Schwächen und Marotten der Vereine. Heute Teil sieben: 1. FC Köln.

Lorenz Maroldt
Poldi
Hoffnungsträger im Regen. Lukas Podolski. -Foto: ddp

Was hat sich verbessert?



Hurra, der Daum ist weg. Nach Schock und Wut über die plötzliche Flucht des heiligen Christoph beginnt der Verein doch tatsächlich, den Glauben an sich selbst zu finden. Die Mannschaft wird weiter aufgebaut, nicht wie in den vergangenen Jahren radikal ausgetauscht. Wenige Abgänge, starke Zugänge. Broich, Radu und Vucicevic mussten gehen, was kein Schaden ist, Özat und Scherz beendeten ihre Karriere, was schade ist. Die Neuen passen perfekt: Mit Prinz Podolski und Sebastian Freis an der Seite wird sich Sturmspitze Novakovic im Sechzehner nicht mehr wie Robinson auf seiner Insel fühlen (siehe auch "Taktik"), mit Maniche (Geburtstag zum Karnevalsbeginn am 11. 11.) können Petit und Geromel (bester Innenverteidiger der Liga; international umworben; Vertrag verlängert bis 2014) portugiesisch parlieren und brasilianisch passen. Das ist neu: Stars kommen - und bleiben.

Wer sind die Stars?

Podolski, Podolski, Podolski… und dahinter die eben genannten. Dazu einige Nationalspieler, zum Beispiel aus Kamerun (Womé) und Kolumbien (Mondragon), sowie eine ganze Reihe junger Talente, vorneweg Verteidiger Christopher Schorch, von Hertha über Madrid zum FC gekommen. Heimlicher Star aber ist - der Manager. Michael Meier, der schon des Prinzen Heimkehr eingetütet hatte, wurde nach Daums Desertion nicht panisch, sondern zauberte Trainer Zvonimir Soldo hervor und zockt geschickt mit großen Klubs um ganz Große. Nicht selbstverständlich bei einem Verein, der in den vergangenen Jahren den einst guten Ruf gründlich verspielte.

Welche Taktik ist zu erwarten?

Daum ließ so eine Art 4-3-2-1 spielen, Tannenbaumtaktik, mit einer Spitze. Leider wurden viele Kerzen geschossen beim hilflosen Versuch, die Spitze irgendwie, irgendwo, irgendwann doch mal zu treffen, aber es wurden selten Kerzen entzündet, allenfalls im Dom; doch auch das hat nicht oft geholfen. Der neue Trainer wird anders spielen lassen: offensiver, kreativer, überraschender (siehe auch "Was hat sich verbessert").

Wie viel Macht hat der Trainer?

Soldo war als Führungsspieler beim VfB Stuttgart verlängerter Kopf und Fuß seines Trainers. Jetzt ist er selber einer, als solcher jung und unerfahren. Aber er ist eine absolute Autorität - solange er das Team von den Abstiegsrängen fern hält.

Was erwarten die Fans?

Heimspielsiege! Und zwar in folgender Abstufung: Die Fatalisten: höchstens fünf gewonnene Heimspiele, das wäre sogar noch eins mehr als in der vergangenen Saison. Die Realisten: sechs gewonnene Heimspiele, das wäre immerhin eins mehr als Mönchengladbach in der vergangenen Saison. Die Fantasten: mindestens sieben gewonnene Heimspiele, das wäre jedenfalls schon mal eins mehr als Bayer Leverkusen in der vergangenen Saison. Und die Unerschütterlichen: zwei gewonnene Heimspiele, bitte, bitte, eins gegen die Borussen vom Niederrhein und eins gegen die Pillen von der Werkself; das wäre je eins mehr als in der vergangenen Saison. Man wird ja wohl noch träumen dürfen… Übrigens: Der Verein hat den Gebrauch von Vuvuzelas verboten, überflüssigerweise. Die südafrikanischen Nervtröten wären beim üblichen Lärm in Müngersdorf ohnehin kaum zu hören gewesen. Viva Colonia!

Was ist in dieser Saison möglich?

Europapokaaal, Europapokaaal, Europapokal-Eu-ro-pa-pokaaal… hmmm, na ja, wahrscheinlich noch nicht. Irgendetwas in der Nähe von Platz 10 ist zu erwarten. Möglich ist mehr.

Morgen: Hannover 96.

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